Der Kirchenvorstand

 

Der Kirchenvorstand wurde am 26. April 2015 gewählt. Die Amtszeit dauert 6 Jahre.
Vorsitzende des Kirchenvorstands ist Mechthild Carneiro.







Mechthild Carneiro



Claus Ludwig Dieter


Gudetu Adugna Eticha


Diribe Gamachu
 


Susanne Lukas

 
Dr. Helga Müller


Verabschiedung ausscheidender Mitglieder aus dem Kirchenvorstand

Wir bedanken uns von Herzen bei den vier Gemeindemitgliedern, die im neuen Kirchenvorstand nicht mehr vertreten sein werden. Sie haben der Gemeinde in den vergangenen Jahren wertvollen Dienst getan. Jetzt werden sie durch andere Aufgaben so in Anspruch genommen, dass sie dieses Engagement nicht fortsetzen können. Wir hoffen sehr, dass sie unserer Gemeinde treu bleiben werden. Der Wechsel in der Gemeindeleitung ist eine schöne Gelegenheit, die ausscheidenden Mitglieder noch einmal sprechen zu lassen, über das, was ihnen die zurückliegende Zeit als Vorstandsmitglied gegeben hat, über das, was sie bewegt hat und darüber, wie sie ihre Mitgliedschaft in der Gemeinde für die Zukunft sehen.


Hildburg Wegener

1998 wurde ich in den Kirchenvorstand kooptiert. Konrad Knolle war damals Pfarrer. Vom damaligen Vorsitzenden Rainer Ott übernahm ich bald die Aufsicht über den Gemeindehaushalt und fing an, Brigitte Caruso und Charly Otterbein bei der Erstellung des Gemeindebriefs zu unterstützen. 2003 wurde ich turnusgemäß in den Kirchenvorstand gewählt. Nach einer längeren Vakanz, die Ute Graßmann als Vorsitzende bewältigen musste, übernahm Pfarrerin Dr. Ursula Schoen die Pfarrstelle und brachte neues Leben in die Gemeindearbeit und das Ökumenische Zentrum. In diesem Team habe ich gern mitgearbeitet, aber außer der Redaktion des Gemeindebriefs keine neuen Verantwortungen übernommen. Bei der Kirchenvorstandswahl 2009 wurde ich Vorsitzende und hatte dann plötzlich unerwartet viele Verantwortungen.

Frau Dr. Schoen verließ nach fünf Jahren das Ökumenische Zentrum und übernahm eine Stelle im Diakonischen Werk Hessen. Wieder gab es eine Vakanz, die über ein Jahr dauerte. Der Kirchenvorstand musste die vielen neuen Kontakte und Initiativen und einige Baumaßnahmen, die Frau Schoen zur Verschönerung der Christuskirche begonnen hatte, weiterführen und zugleich die Pfarrstelle neu besetzen. Ab 2011 konnte ich dann nach und nach viele Verantwortung an Pfarrerin Gisela Egler-Köksal übergeben. Verantwortung ist das Stichwort, das ich den Mitgliedern des neuen Kirchenvorstands ans Herz legen möchte. Gemeindeleitung gelingt dann, wenn die Mitglieder des Kirchenvorstands eine oder mehrere Verantwortungen eigenverantwortlich übernehmen und dafür gerade stehen. Und wenn sie zugleich gemeinsam mit den anderen und der Pfarrerin das Ganze bedenken und leiten. Dazu gehört, sich immer wieder neu vergewissern, woher wir als Ökumenisches Zentrum kommen und wohin wir uns gemeinsam mit den Partnergemeinden weiter entwickeln wollen und müssen. Die Ökumene hat sich ja verändert. Vor 35 Jahren, als das ÖZ entstand, bedeutete Ökumene die gleichberechtigte Zusammenarbeit mit den aus der Mission entstandenen Partnerkirchen in aller Welt. Das Engagement der europäischen Kirchen für die Mission in der Welt, das noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele bewegte, war nicht mehr gefragt, dafür aber unser entwicklungspolitisches Engagement als Kirchen und als politische aktive Bürger und verantwortungsbewusste Verbraucher in einem reichen Land.


Nicolas Pezzarossa

2009 übernahm ich den Vorsitz im Bauausschuss. Das Thema Gebäudeerhaltung und -entwicklung empfand ich von Anbeginn an als spannend. Der erste wie der zweite Bauabschnitt mit der Heizungserneuerung wären jedoch ohne den Sachverstand und die Beharrlichkeit von Herrn Krause, die reiche Kenntnis der Historie des Gebäudes und des Gebäudemanagements von Herrn Ingo Schumacher, den technischen Sachverstand von Stefan Tuntke und das Know-how zur Funktion der Gemeinde auf den verschiedensten Ebenen von Claus Ludwig Dieter und Pfarrerin Gisela Egler-Köksal kaum zu bewältigen gewesen. Immer war es eine Herausforderung, Phantasien und Realisierbarkeit, Ideen des Bauausschusses und Wünsche des Kirchenvorstandes in Einklang zu bringen. Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Frau Hildburg Wegener, war dabei stets eine tatkräftige Unterstützung. Ich bin besonders froh darüber, dass wir im Zeitplan geblieben sind und die 3. Afrikakonferenz am 25./26. September und der ÖZ-Gottesdienst am 27. September im neuen, nunmehr heiztechnisch und medial auf Vordermann gebrachten Saal stattfinden konnten.


Anja Michalke

Besonders interessant an der Arbeit im Kirchenvorstand war für mich, vielfältige Facetten und Bereiche der Gemeinde sowie des Ökumenischen Zentrums mit im Blick zu haben und mit zu bedenken. Seit Johans Geburt musste ich allerdings auch feststellen, dass es schwierig ist, Familie und aktive Gemeinde- bzw. Kirchenvorstandsarbeit unter einen Hut zu bringen. Uns als Gemeinde wünsche ich, mit unseren Themen und als Gemeinschaft weiterhin anziehend zu wirken – und zu wachsen.


Kulani Gudina

Die Tochter von Gudina Tumsa, dem Bonhoeffer Afrikas, hat ihren Lebensmittelpunkt im Zuge einer beruflichen Veränderung 2011 zunächst in den Südsudan und sodann nach Kairo/Ägypten verlegt. Und dennoch hat sie ihr Interesse an dem Ergehen der Christus-Gemeinde aufrechterhalten. Durch eine glückliche Fügung konnte sie die Verabschiedung des alten, ihres Kirchenvorstandes und die Einführung des neuen Kirchenvorstandes am 13. September miterleben und stand zu einem intensiven Gespräch im Liebfrauen-Café zur Verfügung. Kulani sprühte dabei nur so von Ideen für die Arbeit der Gemeinden im Ökumenischen Zentrum. Im neuen Gemeindebrief wird davon in Zukunft einiges zu lesen sein. Die Verbindung der Oromo-Gemeinde und der deutschen Gemeinde waren und sind Kulani wichtige Anliegen. Im Interesse einer Erneuerung der politischen Positionen des Ökumenischen Zentrums angesichts der gegenwärtigen Aktualisierung der Fragen von Flucht, Vertreibung und Gewalt gegen andersdenkende und andersgläubige Menschen werde ich gerne ihre Arbeiten zu Anfangszeiten der Oromo-Migration nach Deutschland und Anregungen zu Film- und Ausstellungsprojekten im Gemeindebrief vorstellen und in die Sitzungen des Kirchenvorstandes einbringen. Kulani hat versprochen, mit uns in Kontakt zu bleiben. HM



Endergebnisse der Kirchenvorstandswahlen 2015

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat die Endergebnisse der Kirchenvorstandswahlen 2015 bekanntgegeben. Zur Entscheidung am 26. April waren demnach knapp 1,5 Millionen Wahlberechtigte über 14 Jahre in über 1.000 Gemeinden aufgerufen. An die Urnen gingen insgesamt knapp 270.000 Evangelische; die Wahlbeteiligung betrug damit  durchschnittlich 18,5 Prozent. (Zum Vergleich: in unserer Personalkirchengemeinde haben 36 Prozent der Mitglieder gewählt.) Die Statistik zeigt, dass die Wahlbeteiligung der Kirchenmitglieder von 1985 bis 2015 um 4,4 Prozent sank. In diesem Zeitraum ging allerdings die Beteiligung beispielsweise an den Kommunalwahlen in Hessen um ein ganzes Drittel zurück. Die Altersstruktur der gewählten Kirchenvorstände hat sich nach oben verschoben. 21,7 Prozent sind zwischen 60 und 70 Jahre und 6,9 Prozent über 70 Jahre alt. Die Frauenquote liegt stabil bei knapp 60 Prozent

Ehrenamtliche prägen Bild entscheidend

Der Kirchenpräsident der EKHN, Dr. Volker Jung, wertet die Bereitschaft vieler, sich ehrenamtlich zu beteiligen als „besonderen Schatz der Kirche“. Jung sagte: „Viele Tausend Menschen in unserer Kirche sind nach wie vor bereit, ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen. Sie gestalten sie mit und sorgen dafür, dass Auftrag und Botschaft der Kirche in unserer Gesellschaft präsent sind. Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher prägen entscheidend das Bild der Kirche vor Ort mit. Dafür sind wir dankbar.“ Jung versprach: „Wir werden auch zukünftig deutlich machen, dass Menschen in unseren Gemeinden und unserer Kirche mitreden und mitentscheiden können und dafür werben. Demokratische Strukturen sind ein Wesensmerkmal unserer Kirche.“

Der Präses der Kirchensynode, Dr. Ulrich Oelschläger, der dieses Amt selbst ehrenamtlich bekleidet, begrüßte noch einmal alle neu- und wiedergewählten Kirchenvorsteher und -vorsteherinnen. Gleichzeitig würdigte er ausdrücklich das Engagement derer, die nicht gewählt wurden: „Es gehört zum demokratischen Wesen auch unserer Kirche, dass bei Wahlen leider nicht alle erfolgreich sein können“.

Hintergrundinformationen

Kirchenvorstände werden in der EKHN für einen Zeitraum von sechs Jahren gewählt. Je nach Größe der Gemeinde umfasst das Gremium zwischen vier und maximal 21 Mitgliedern. Die neue Amtsperiode beginnt am 1. September 2015. Danach wählen die Kirchenvorstände in den Ortsgemeinden jeweils Delegierte in die Dekanatssynoden, die regionalen Vertretungen der evangelischen Kirche. Die Dekanatssynoden wiederum wählen die Mitglieder der Kirchensynode, des obersten Gremiums der EKHN.



Der neue Kirchenvorstand

Bei den Kirchenvorstandswahlen am 26. April 2015 wurden gewählt:

Gudetu Adugna Eticha
Mechthild Calado Carneiro

Claus Ludwig Dieter
Susanne Lukas
Dr. Helga Müller
Diribe Gamachu
Gisela Egler-Köksal gehört dem Kirchenvorstand als Pfarrerin an.

Wir gratulieren den Gewählten und danken allen Kandidatinnen dafür,
dass sie bereit waren zu kandidieren und sich, unabhängig vom Ausgang
der Wahl, in der Gemeinde zu engagieren. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit
mit ihnen allen.

Rückblick auf die Wahlen zum Kirchenvorstand

Der Wahltag am 26. April liegt hinter uns. Der Wahlvorstand, bestehend aus Gisela Egler-Köksal, Nicolas Pezzarossa und Ingo Schumacher, hatte alles gut vorbereitet. Das „Wahllokal“ war zunächst ab 10 Uhr in der Kirche. Nach dem Gottesdienst wurde die Wahlkabine in den Upper Room verlegt. Es konnte während des Kirchcafés gewählt werden. Die oromosprachigen Gemeindemitglieder kamen vor ihrem Gottesdienst, sie und andere, von weiter her, auch im Laufe des Nachmittags.

Mit 36% hatten wir wie immer eine hohe Wahlbeteiligung – kein Wunder bei einer kleinen, aber überaus aktiven Gemeinde. Die Wahlbeteiligung in Frankfurt lag bei rund 12%. In einer ersten Stellungnahme bedankte sich Stadtdekan Dr. Achim Knecht bei allen, die sich für die Vorbereitung und Durchführung der Wahl engagiert haben, und bei den Kandidatinnen und Kandidaten. Er dankte auch den Nichtgewählten für ihre Bereitschaft und äußerte die Hoffnung, dass sie vielleicht in anderer Form in den Gemeinden mitarbeiten.

Inzwischen ist Dr. Max Schumacher, der in den neuen Kirchenvorstand gewählt wurde, zurückgetreten, so dass jetzt ein weiteres Mitglied aus der Christus-Immanuel-Gemeinde, Diribe Gamachu, nachgerückt ist.




Vorstellung der neuen Mitglieder des Kirchenvorstands (4)

Helga Müller

Neulich hat mir eine Bekannte zugeworfen, Stefan Zweig scheint Dir ja wirklich am Herzen zu liegen. Ich habe mich gefreut, weil ich mich erkannt fühlte. So werde ich am liebsten vorgestellt. Was hatte ich getan? Ich hatte ihr einmal aus den „Sternstunden der Menschheit“ die Erzählung „Georg Friedrich Händels Auferstehung“ empfohlen und das andere Mal den Roman „Maria Stuart“ wärmstens nahegelegt. Es war wenig und führte doch schon zu einer Meinung. Ich hatte noch nicht einmal über die Schachnovelle gesprochen und den großartigen Film, in dem Curd Jürgens einen Anwalt spielt, der von den Nazis monatelang in Einzelhaft gehalten wurde.

Die ästhetische Wahrnehmung von Welt durch Künstler, wie Stefan Zweig, Musik, wie der Messias von Händel, Einsatz für Freiheits- und Persönlichkeitsrechte gegen Macht- und Herrschaftsansprüche einer Mehrheit zulasten Einzelner, das sind meine privaten und beruflichen Themen als Christin und Anwältin.

Ich bin in der Lukaskirche in Sachsenhausen mit Kindergarten und Kirchenchor aufgewachsen. Heute gehört diese Kirche zur Maria-Magdalena-Gemeinde. Pfarrer Vömel, der sich zum studentischen Widerstand gegen die Naziherrschaft zählte, beeindruckte mich in meinen Jugendjahren. Ihm folgte ein Schweizer Pfarrer an der Lukaskirche, dem ich die Bekanntschaft mit Gedanken von Frère Roger, mit Taizé und die Erinnerung an einen Aufenthalt mit Lagerfeuern und Gitarrenmusik in lebendiger Gemeinschaft verdanke. Nach Jurastudium und ersten Berufsjahren als Richterin war es die Künstlerin Isolde Klaunig, die christliches Fühlen und Denken in meinem Alltag wieder bewusst werden ließ. Über die Offenbacher Kantorei und die Heusenstammer Kantorei lernte ich eine Prädikantin kennen, die mich mit Claus Ludwig Dieter zusammenbrachte. Diesem verdanke ich meinen Weg in die Christuskirche, in den Prädikantendienst, meine Bevollmächtigung vor nunmehr etwas mehr als 2 x 7 Jahren und die vielen ‚theologischen Tees’, zweistündigen Treffen mit Ingo Schumacher und Pfarrerin Dr. Ursula Schön, in denen ich meine theologische Bildung fundieren konnte.

Im Ökumenischen Zentrum genieße ich den Umgang mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten. Noch immer atmet die Gemeinde den Geist von Aufbruch und Veränderung. Darin liegt m.E. ihre Chance auch für die Zukunft.

Unsere Gemeinde ist eine Gemeinde, die zuletzt besonders von weiblicher Seite viel literarische Kreativität gezeigt hat. Hineingezogen in die beschriebenen Schicksale hat mich der Roman ‚Chikwe’ von Beatrice O. Onyele. Mit größtem Vergnügen schon fast durchgelesen habe ich inzwischen auch die Vampirgeschichte ‚Lucinda’ von Davida Brown. Da liegt Potential, aus dem etwas ganz Neues erstehen könnte.

Mit einer neuen Form des Gemeindebriefes möchte ich dazu beitragen, dass das Ökumenische Zentrum auch in den nächsten Jahren eine lebendige Stätte der gegenseitigen geistigen Bereicherung sein wird.

Helga Müller


Vorstellung der neuen Mitglieder des Kirchenvorstands (3)

Gudetu Adugna Eticha

Wir freuen uns sehr, dass Sie, Gudetu, als ein Mitglied des Ältestenrats der Oromogemeinde, ab September im Kirchenvorstand der Personalkirchengemeinde mitarbeiten werden. So gut und akzentfrei, wie Sie Deutsch sprechen, müssen Sie schon sehr lange in Deutschland sein. Erzählen Sie uns etwas über ihr Leben?

Ich bin erst mit 19 Jahren zum Studium nach Deutschland gekommen, 1997, nach meinem Schulabschluss in Nekemte in Äthiopien. Mein Onkel hatte in Berlin eine deutsche Frau geheiratet. Sie haben mich eingeladen, und ich habe mit ihnen und ihren beiden Kindern sehr bald deutsch gesprochen. Nach dem Sprachkurs habe ich zwei Jahre das Studienkolleg an der Universität Potsdam besucht.

Ich wollte schon immer Medizin studieren und Kinderärztin werden. Da ich ja keine Abiturnote vorzeigen konnte, habe ich mich als Ausländerin an 21 Universitäten um einen Studienplatz beworben – und bin in Göttingen angenommen worden. Dort habe ich sieben Jahre studiert, das war nicht immer leicht, ohne das Wissen, das deutsche Studierende aus dem Gymnasium mitbringen. Außerdem musste ich ja Geld verdienen. Ich bin immer am ersten Tag der Semesterferien nach Berlin gefahren, wo ich bei meiner Tante wohnen konnte, und habe bis zum Beginn des neuen Semesters in einer Fabrik gearbeitet. Da war wenig Zeit, in die Bücher zu gucken, die ich natürlich in die Ferien mitnahm. Mein Praktisches Jahr habe ich dann auch in Niedersachsen, in Wolfsburg gemacht, und danach zwei Jahre in Salzgitter an einer Kinderklinik gearbeitet.

Waren Sie schon in Ihrer Heimat in einer christlichen Gemeinde?

Meine Mutter ist Orthodox; meine Geschwister und ich sind getauft. In Nekemte gibt es aber eine evangelische Mekane Yesus Gemeinde. Mit einer Schulfreundin bin ich einmal dorthin gegangen und dann in der Gemeinde geblieben. In Berlin habe ich die dortige Oromogemeinde besucht und habe dort auch im Chor gesungen. In der kleinen Stadt Göttingen gab es natürlich keine Oromogemeinde. Aber ich war viel bei den Veranstaltungen und Gottesdiensten der Evangelischen Studentengemeinde. In meiner ersten Stelle in Salzgitter hatte ich wenig soziale Kontakte und gar keine zu Menschen aus meiner Heimat oder zur Kirche.

Dass ich jetzt im Rhein-Main-Gebiet bin, hat damit zu tun, dass ich wusste, dass Merga Negeri in Frankfurt Pfarrer ist. Ich kannte ihn schon durch gemeinsame Freunde, die jetzt in Oslo wohnen. Ich habe mich also aus Salzgitter wegbeworben und eine Stelle in der Kinderklinik in Offenbach gefunden. Das war eine gute Entscheidung, über die ich sehr froh bin. Ich habe dort drei Jahre gearbeitet und bin jetzt als Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin im Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim. Die Arbeit gefällt mir gut, auch wenn ich täglich von Rödelheim, wo ich mit meiner jüngeren Schwester Negasse wohne, nach Rüsselsheim fahren muss und viele Nachtdienste habe.

Und jetzt sind Sie auch noch engagiert im Ältestenrat und bald auch im Kirchenvorstand. Das kostet sicher viel Kraft.

Ja, aber die Oromogemeinde und das Zusammenleben im Ökumenischen Zentrum sind mir sehr wichtig. Der Ältestenrat trifft sich immer am Sonntag nach dem Gottesdienst, das kann ich gut einrichten. Wir beten zusammen, das gibt auch Kraft. Und wir kümmern uns um Anliegen aus der Gemeinde, z.B. wenn jemand sich in der Christuskirche trauen lassen will, und um die Organisation der Sonntagschule. Wir möchten die Gemeinde und das Ökumenische Zentrum auch mehr öffnen für Menschen, die bisher nicht zu uns kommen, sie zu Hause besuchen, in Asylbewerberheime gehen und die Menschen einladen. Und wir hoffen, dass wir bald wieder einen gemeinsamen Gottesdienst planen.

Die Fragen stellte Hildburg Wegener


Vorstellung der neuen Mitglieder des Kirchenvorstands (2)

Susanne Lukas

Ich bin in einer evangelisch geprägten Familie in Frankfurt aufgewachsen und wurde in der Matthäuskirche konfirmiert. Sehr früh begann ich, mich in der Evangelischen Kirche zu engagieren. Durch den Ökumene-Chor, in dem ich seit 1992 regelmäßig gesungen habe, wurde meine Verbindung zum Ökumenischen Zentrum gefestigt. Die Musik begleitet mich heute noch – aktuell singe ich bei den Gospelchoralisten von Manfred Schönfelder in der Bethaniengemeinde und bei unterschiedlichen Projektchören.

Das Ökumenische Zentrum hat mich nicht nur durch die gesellschafts- und entwicklungspolitischen Themen der Veranstaltungen und Mittwochsgottesdienste geprägt, sondern auch durch die Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Kulturen. Ohne die Christus-Immanuel-Gemeinde und das Ökumenische Zentrum wäre ich bestimmt ein anderer Mensch!

Bei der Organisation der Ausstellung „Radias Welt“ 1997 mit Fotografien der Beduinen im Süd-Sinai von Andrea Nuß, konnte ich meine Kenntnisse aus dem Kunstgeschichtsstudium anwenden, das ich im selben Jahr mit einem Magister Titel abschloss. Nach dem Studium bestätigte ich meinen Weg in den Finanzbereich unterschiedlicher Unternehmen mit der Prüfung zur Bürokauffrau und der Zertifizierung als Controllerin.

Viele Gemeindemitglieder kennen mich aus den Gottesdiensten, die ich seit meiner Bevollmächtigung als Prädikantin 2003 gestalte. Seit 2002 leite ich die Gruppe „come together“, die bis zur Schließung der Einrichtung Ende 2003 regelmäßig Gottesdienste in der Hessischen Erstaufnahme Einrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Schwalbach vorbereitete. Einmal im Jahr gestalten wir nun einen besonderen Gottesdienst für die Gemeinde, den „Gottesdienst mit Schattenmann“, in den wir Ausschnitte aus unserer Beschäftigung mit Alltagsthemen einbringen.

Der Christus-Immanuel-Gemeinde und dem Ökumenische Zentrum wünsche ich, dass sie weiter Impulsgeber für Auseinandersetzungen mit „brennenden Themen“ der Zeit bleiben. Es wäre schön, wenn die Gemeinde und das Zentrum für viele Menschen weiterhin eine geistig, menschliche und intellektuelle Bereicherung bleibt und sie gelebte Ökumene erfahren können. Ich hoffe, dass es uns als dem neuen Kirchenvorstand gelingt, an die gute Arbeit der Vergangenheit anzuknüpfen und bringe gerne meine Fähigkeiten und Talente dabei ein.

Susanne Lukas

Vorstellung der neuen Mitglieder des Kirchenvorstands (1)

Diribe Gamachu

Liebe Diribe, du bist ab September Mitglied im Kirchenvorstand. Dann bist du mitverantwortlich für die Leitung der Personalkirchengemeinde Christus-Immanuel und für das Ökumenische Zentrum.

Du hast viel erlebt in deinem Leben. Du bist 1973 in Boji, Wollega, geboren. Während deiner Schulzeit hast du in einem Wohnheim der Herrmannsburger Mission gewohnt und 1989 die Sekundarschule abgeschlossen. Dort hast du auch deinen späteren Mann kennengelernt, er war der Leiter des Wohnheims. Nach der Schule hast du eine einjährige Schreibmaschinenausbildung und eine einjährige Ausbildung als Schneiderin abgeschlossen, beides mit einem Diplom. Dann habt ihr geheiratet. Deine Tochter Sena ist 1992 und dein Sohn Urgesa ist 1994 geboren. Du hast dann in einer Schule der Evangelischen Mekane Yesus Kirche als Erzieherin gearbeitet und Kunst und Handarbeit unterrichtet. Später hast du noch eine Hauswirtschaftsausbildung gemacht.

2001 bist du mit deinen beiden Kindern deinem Mann nach Deutschland gefolgt. Ihr habt erst in Hannover und ab 2002 in Frankfurt gewohnt. Seitdem gehörst du zur Evangelischen Oromogemeinde Frankfurt.

Hast Du auch in deiner Heimat zu einer Gemeinde gehört?

Diribe: Ja, seit meiner Kindheit. Mein Vater war Evangelist der Mekane Yesus Kirche. Er hat in Boji gepredigt, dort eine Gemeinde gegründet und mit ihnen eine Kirche gebaut. Ich war natürlich aktiv in der Gemeinde und habe auch im Chor gesungen. Ich halte immer noch Kontakt. Auf meinen Vorschlag sammelt die Personalkirchengemeinde einmal im Jahr Geld für die Erhaltung der Kirche und für den Kindergarten und die Schule, die die Gemeinde neben der Kirche gebaut hat und die inzwischen bis zur 4. Klasse geht. So können die Frauen mit kleinen Kindern leichter ihrer Arbeit nachgehen, und die Grundschulkinder müssen nicht mehr ins Internat.

Die ersten Jahre waren sicher nicht leicht für dich, in einem fremden Land mit einer schweren Sprache und den beiden Kindern. Dazu kam, dass Ihr euch 2004 getrennt habt und ihr nach langen Beratungen seit 2012 geschieden seid.

Aber inzwischen geht es dir gut, die Kinder sind in der Ausbildung. Du hast eine gute Arbeit gefunden, erst in einem Kindergarten des Internationalen Familienzentrums und jetzt in der Erasmusschule in Offenbach. Das ist ein mehrsprachiges Bildungshaus für Kinder mit Grundschule, Kindergarten und Krabbelstube. Die Kinder erhalten ein Frühstück, ein Bio-Mittagessen und nachmittags einen Snack. Du servierst bei den Mahlzeiten und bereitest das Frühstück und den Snack vor.

Du bist also gut in Deutschland angekommen. Was bedeutet dir heute die Oromogemeinde?

Diribe: Es ist mir wichtig, dass ich am Sonntag in meiner Sprache mit meinen Freunden singen kann und die Bibel und die Predigt in meiner Sprache hören kann. Wir haben natürlich alle Heimweh, und da tut das gemeinsame Singen und Beten gut.

Trotzdem bist du 2003 Mitglied der Personalkirchengemeinde geworden, deine beiden Kinder wurden hier konfirmiert. Du hast einige Jahre im Chor mitgesungen. Wie stellst du dir die Mitarbeit im Kirchenvorstand vor? Was möchtest du erreichen? Worauf freust du dich?

Diribe: Ich finde es gut, dass ich im Ökumenischen Zentrum meine Gemeinde und meine Kultur beibehalten und pflegen kann. Aber ich bin auch froh, dass ich in der deutschsprachigen Gemeinde Neues und neue Menschen kennenlernen kann und wir voneinander lernen und uns gegenseitig helfen können. Ich möchte, dass sich die Kinder und Jugendlichen aus der Oromogemeinde in beiden Kulturen zuhause fühlen. Gern würde ich zum Beispiel Veranstaltungen, vielleicht Ausflüge, mit den Kindern im Ökumenischen Zentrum organisieren.

Gemeinsame Kinder- und Jugendarbeit – das ist eine gute Idee und wird auch den Kindern gefallen. Wir kennen dich als eine Frau, die immer freundlich und aufgeschlossen auf andere zugeht und mutig und tatkräftig neue Aufgaben anpackt. Es ist schön, dass du jetzt im Kirchenvorstand bist. Wir wünschen dir Gottes Segen.

 Die Fragen stellte Hildburg Wegener