Zu Café Deutschland

Eine Bilanz

Seit zwei Jahren gibt es in Frankfurt das Projekt „Café Deutschland“. An
vier Nachmittagen in der Woche bietet jeweils eine kirchliche Einrichtung
Geflüchteten und anderen Neuankömmlingen Gelegenheit, bei Tee oder
Kaffee ihre wachsenden Deutschkenntnisse zu erproben und sich mit den
dort mitarbeitenden Deutschen und miteinander zu unterhalten.

Seit gut einem Jahr ist das Ökumenische Zentrum dabei, jeweils am Donnerstag.
Im Westend gibt es außerdem am Dienstag das Café bei der Caritas
in der Rüsterstraße, am Montag trifft man sich im Gemeindehaus der
Petersgemeinde in der Jahnstraße und am Samstag in St. Bernhard im Nordend.

Koordiniert wird das Projekt von Heike Seidel-Hoffmann, der Pfarrerin
für Flüchtlingsarbeit beim Diakonischen Werk Frankfurt, und Andreas
Böss-Ostendorf von der Stadtkirchenarbeit im Haus am Dom. Robert
Biersack von der Caritas organisiert hilfreiche Fortbildungsreihen für die
Ehrenamtlichen.

Auch Pfarrer Johannes Herrmann ist im Projektteam engagiert. Auf seine
Initiative wird ab März vermutlich ein fünftes Café in der Nähe einer großen
Flüchtlingsunterkunft im Gutleutviertel mit einem kleinen Fest eröffnet.
Die Cafés waren eine erste Antwort auf die große Zahl von Flüchtlingen, die ab Ende
2015 nach Frankfurt kamen und zum Teil auf beengtem Raum in großen Unterkünften
beschäftigungslos herumsaßen. Inzwischen sind die meisten Unterkünfte aufgelöst
und viele Geflüchtete gehen regelmäßig in einen Sprachkurs oder nehmen
schon an beruflichen Integrationsmaßnahmen teil. Aber viele haben immer noch viel
leere Zeit, warten auf den nächsten Termin bei der Volkshochschule oder im Jobcenter
und freuen sich auf einen Ort, an dem sie einfach kommen und reden können.

Manche kommen auch in der Hoffnung ins Cafés, sie könnten dort Hilfe
bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche, bei der Suche nach Therapieplätzen
oder bei einem ablehnenden Asylbescheid bekommen. Darum kümmert
sich vor allem die Flüchtlingspfarrerin im Café in der Jahnstraße und
zum Teil auch die Caritas. Wirklich helfen können Haupt- und Ehrenamtlichen
nur in wenigen Fällen, aber sie können doch Ratschläge geben und
an die richtigen Stellen weitervermitteln. Und vor allem können sie zuhören
und Mut machen. Leider bleiben diese Kontakte ja kurz und unverbindlich,
und viele fragen, wie sie denn deutsche Freunde ihres Alters oder
eine Gruppe oder einen Verein finden können, wo sie einfach dazugehören
und sich integrieren können. Aber das ist gar nicht so einfach und
scheitert oft noch an Sprachkenntnissen und am Geld und vor allem an
den richtigen Kontakten.

In unser Café am Beethovenplatz kommen vor allem viele mit ihren
Deutschbüchern, um sich etwas erklären zu lassen oder ihre Hausaufgaben
machen, oder weil sie sich auf einen der Sprachtests vorbereiten
möchten, der Voraussetzung für eine Berufsvermittlung oder, bei Fortgeschrittenen,
für die Aufnahme in die Universität sind. In unserer Kirche
findet im Upper Room ja vormittags ein kostenloser Deutschkurs statt, das
spricht sich herum, und ich biete auch, wenn gewünscht, nachmittags gezielte
„Testtrainings“ an.

Zu den Ehrenamtlichen in unserem Café gehören zur Zeit fünf oder sechs,
die fast jedes Mal da sind und auch Spaß an der Sprachvermittlung haben,
und ein halbes Dutzend weiterer, die kommen, wenn sie Zeit haben. Maria
Pohlmann aus unserer Gemeinde bietet an einem der Tische Spiele an,
gern auch solche, bei denen man etwas über Deutschland und über die
Welt lernen kann, und sorgt dafür, dass dabei tüchtig Deutsch geredet wird.

Wir Ehrenamtlichen sind inzwischen auch in der Lage, die komplizierten
Formulare auszufüllen, deren Amtsdeutsch auch für uns Deutsche oft
schwer verständlichen ist, oder die richtigen Rückfragen zu stellen. Sie
helfen auch bei den ersten Bewerbungsschreiben. Und manche bringen
eine Zeitung mit und kommen über die Artikel ins Gespräch. Ob und wie
wir den Gästen aber dabei helfen können, wirklich in Deutschland anzukommen
und dort eine zweite Heimat zu finden, darüber denken wir gerade
viel nach.
22.02.2018
Hildburg Wegener