Liebe Gemeinde,

einige Gemeindemitglieder haben Interesse daran gezeigt, den Gemeindebrief zukünftig nur noch als pdf-Datei per E-Mail zu erhalten. Wir werden dem gerne nachkommen. Wer also lieber einen digitalen Gemeindebrief anstelle eines gedruckten Exemplars haben möchte, mag dies bitte, unserer Sekretärin mitteilen oder eine E-Mail senden. Für dieses Gemeindemitglied wird die Postzusendung dann auf E-Mail umgestellt werden.




Der Monat Oktober wurde durch einen musikalischen ÖZ-Gottesdienst eingeleitet. Es gab musikalische Darbietungen in Hülle und Fülle. Überraschend wurde jeweils geklatscht, sogar zu den Predigten. Für den Kirchenvorstand und die Gemeindemitglieder, die die Gemeindeversammlung besuchten, ein Geschehen, das nicht zur ständigen Übung werden sollte. Schließlich erfolgt jeder Beitrag zum Lob Gottes und nicht des Musikers oder des Predigers. Unser Organist Daniel Hoffmann reagierte mit einem netten Spruch von Robert Gernhardt: „Paulus sprach zu den Apatschen, ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen“.

In der Gemeindeversammlung stellte Mechthild Carneiro die verschiedenen Aufgabenbereiche der insgesamt berufstätigen Kirchenvorstandsmitglieder vor. Claus Ludwig Dieter wies darauf hin, dass der Kirchenvorstand und der Vorstand des Hilfsvereins nicht mehr zusammen tagen. Am neuen Konzept werde noch gearbeitet. Das Interesse, Bibelarbeit einzurichten, werde immer wieder geäußert. Da jedoch bereits Bibelteilen nur wenig Teilnahme finde, sollen in dieser Richtung derzeit keine weiteren Anstrengungen unternommen werden. Für das Jahr 2017 plant der Kirchenvorstand einen Gemeindeausflug nach Worms. Auch soll es einen Besuch des Kirchentages in Berlin geben.

Sowohl Kritik als auch Fürsprache hat der Gemeindebrief des Monats Oktober hervorgerufen. Herr Max Schumacher verteidigte Kontroversen auch im Gemeindebrief. Die Redaktion hat eine Mehrzahl von Briefen ganz gegensätzlichen Inhalts erhalten. Bis hin zu einem Hinweis auf eine Aktion Kauft bei Juden … und unterstützt damit palästinensische Familien. Alle Briefe werden persönlich beantwortet werden. Es wird um Verständnis gebeten, dass dieses ein wenig dauern wird.

Der Monat Oktober war besonders für unsere Mitglieder mit einem Migrationshintergrund aus Oromia ein überschatteter Monat. Wir geben dazu eine Zusammenfassung eines Artikels aus der taz vom 5.10.2016. Dementsprechend gab es im Gottesdienst vor der Gemeindeversammlung eine Kollekte für die Opfer in Oromia.

Helga Müller


Tödliches Erntedankfest in Bishoftu/Äthiopien


Seit fast einem Jahr sind Teile derjenigen Regionen in Äthiopien, die von Oromos besiedelt sind, in Aufruhr. Es begann als lokale Empörung über eine staatliche Landnahme in der Umgebung von Addis Abeba. Inzwischen hat sich der Aufruhr zu einer Protestbewegung ausgeweitet, die den Sturz der Regierung will. Diese Regierung wird seit 1991 im Kern von ehemaligen Rebellen der Tigray gestellt. Wortführer der Oromo lehnen diese Regierung ab. Bei der Niederschlagung von Massenprotesten in mehreren Städten waren Anfang August bereits über 100 Menschen getötet worden. Jetzt ist es zu einer Eskalation gekommen. Am Erntedanksonntag versammelten sich zehntausende Oromo in Bishoftu, einer Stadt im Südosten von Addis Abeba, um traditionsgemäß das Ireecha zu feiern. Es kam zu Tumulten, weil, wie berichtet wird, Würdenträger der Oromo auf der staatlichen Ehrentribüne saßen. Das wurde als Verrat empfunden. Feiernde riefen Woyane! (Nieder!). Das ist ein alter Slogan aus Äthiopiens Widerstand gegen die italienische Besatzung und später die Revolutionsparole der Tigray-Rebellen, die jetzt gegen die Regierung gewandt wird. Nach Augenzeugenberichten sperrte die anwesende Armee Fluchtwege mit ihren Fahrzeugen ab und begann auf die Menge zu schießen. Es kam zur Panik. Menschen traten aufeinander. Viele fielen in einen Graben. Den beschoss die Armee danach mit Tränengas. Offiziell gab es 52 Tote. Die Oromo-Oppositionspartei OFC (O-romo Federalist Congress) hat hingegen 678 Tote gemeldet. Ärzte des naheliegenden Krankenhauses berichteten, dass allein 500 Leichen bei Ihnen eingeliefert worden seien. Der Redakteur der taz vom 5.10.2015 spricht von einer Besorgnis, dass die Spannungen im Land hiernach nochmals erheblich zunehmen könnten.

Quelle: taz 5.10.2016



Engagement gegen die israelische Besatzung in Palästina: Boykott, Investitions-Entzug, Sanktionen


Bericht über eine Veranstaltung des Palästina–Forums–Nahost im ÖZ.

Der Anfang war ziemlich emotional. Es erklangen Gedichte von Erich Fried aus seinem Zyklus „Höre Israel“. Eine Frage bleibt hängen: „Als wir verfolgt wurden, war ich einer von euch. Wie kann ich das bleiben, wenn ihr Verfolger werdet?“ Ja: Wie?

Dann hielt Martin Breidert, Pfarrer der EKHN und bis 2004 Professor für Sozialethik an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, einen sachlichen, informativen Vortrag über den Aufruf von verschiedenen Organisationen der palästinischen Zivilgesellschaft, durch gewaltfreie wirtschaftliche Maßnahmen Einfluss auf die Politik des Staates Israel zu nehmen. Kernstück der Kampagne „Boykott, Divestment, Sanktionen“ (BDS) ist der Versuch, Waren und Firmen, die in den besetzten Gebieten Palästinas angebaut oder produziert werden, nicht länger zu kaufen oder mitzufinanzieren. Den palästinensischen Bauern, denen dieses Land einmal gehört hat, wird der Zugang zu ihren Feldern und Olivenbäumen und Brunnen und zu Arbeitsplätzen durch eine Mauer verschlossen oder durch viele Checkpoints erschwert. Auch Firmen, die sich an der Produktion und dem Export von Rüstungs- und Infrastrukturgütern in und nach Israel beteiligen, mit denen die Besatzung und widerrechtliche Besiedelung des Westjordanlands ermöglicht wird, sollen Investitionen entzogen werden. Das Problem für VerbraucherInnen ist, dass diese Waren durchgängig als „Aus Israel“ stammend etikettiert werden. Die Waren profitieren damit von den Handelsprivilegien, die die EU Israel eingeräumt hat. Im Jahre 2000 hat die EU Waren aus den besetzten Gebieten ausdrücklich von die-sen vorteilhaften Handelsverträgen ausgenommen, aber Israel setzt diese Bestimmung nicht um ─ ebenso wenig wie die vielen UN-Resolutionen, die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas zu beenden. Wegen der uneindeutigen Kennzeichnung kaufen viele Menschen deshalb gar keine Waren aus Israel, solange die Kennzeichnungspflicht nicht umgesetzt ist. Eine Begründung ist, dass der Staat Israel die militärische Besatzung und die Siedlungen auf palästinensischem Land rechtlich und finanziell fördert und die Forderungen der UN und der EU nicht umsetzt und dass er damit auch als Ganzer verantwortlich ist.

Breidert nannte eine beeindruckende Liste von Kirchen in Europa und den USA und von deutschen und internationalen Firmen, die sich dem BDS-Aufruf angeschlossen haben, darunter auch die United Church of Christ, die mit der EKHN verpartnert ist. Abschließend erläuterte er fünf Punkte, an denen der Artikel zu BDS in unserem letzten Gemeindebrief aus seiner Sicht problematisch oder nicht sachgemäß ist.

Die anschließende Diskussion unter den gut 30 Teilnehmenden war sachlich, engagiert und argumentativ. Dr. Max Schumacher meldete sich relativ früh zu Wort, um das Bild, das durch den Artikel von unserer Gemeinde gezeichnet wurde, zurechtzurücken. Er wies darauf hin, dass die Gemeinde seit vielen Jahren sowohl im christlich-jüdischen Gespräch als auch in der Solidaritätsarbeit für Palästina engagiert sei. Es habe vor wenigen Tagen eine Gemeindeversammlung stattgefunden, in der der Artikel kritisch diskutiert worden sei. Weitere Berichterstattung und Diskussion zum Thema sei geplant. Kontrovers wurde die Forderung von Sanktionen im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich diskutiert. Man war sich einig, dass diese Forderung kontraproduktiv sein könne. Man müsse sehr genau im Einzelfall prüfen, ob eine kulturelle Veranstaltung oder eine wissenschaftliche Tagung eindeutig dem Ziel des Friedens und der Völkerverständigung zuwiderlaufe.

Viele andere, komplexe Themen wurden angesprochen, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Die Frage bleibt: Wie kann ich solidarisch bleiben mit einem Volk, an dem wir als Deutsche schuldig geworden sind? Sind gewaltfreie wirtschaftliche Maßnahmen ein Weg, um Israel, dem Volk und der Religion, denen wir so viel verdanken, nicht zuletzt unsere ethischen Maßstäbe von Gerechtigkeit und Menschenwürde, dabei zu helfen, das Israel zu bleiben, dem wir uns verbunden fühlen?

Hildburg Wegener