Liebe Gemeinde,


die Osterzeit gibt uns einen Anlass, auf Bildnisse des Kreuzesgeschehens zu blicken, die in unserer Stadt zu sehen sind. Aus der Sammlung des Städelmuseums war zwischen November 2017 und Februar 2018 das berühmte Schächerfragment des sog. Meisters von Flémalle, eines frühen niederländischen Malers, im Liebighaus ausgestellt. Während vieler Jahre war es wegen Restaurationsarbeiten im Städelmuseum nicht mehr zu sehen. Jetzt kehrt es dorthin zurück. Die gleichzeitige Kreuzigung von „Schächern“ mit Christus, also von Räubern und Verbrechern, war ein ungeheuerlicher Akt, über den für zu reflektieren sich lohnt. Christian Stückl, der aktuelle Regisseur der Oberammergauer Passionsspiele hat es getan und beschlossen, die traditionelle Überhöhung des Kreuzes, an dem Jesus gestorben ist, aufzugeben und die Kreuze der Schächer mit dessen Kreuz auf gleiche Höhe zu bringen. Die Geschichte von Jesus kann immer auch insoweit immer wieder neu erzählt werden. In der evangelischen Kirche haben wir mehrheitlich Kreuze ohne Abbilder der Gekreuzigten. Das Kreuz als solches erinnert an die Hinrichtung und Auferstehung Jesu von Nazareth. Im Kruzifix liegt der Schwerpunkt stärker in den Leiden als im Kreuz ohne körperliche Darstellung des/r Gekreuzigten, das den Schwerpunkt in die Auferstehung verlegt. Das leere Kreuz wird deshalb vor allem als eine Erinnerung an die bereits geschehene Befreiung des Menschen und als ein Symbol der Durchdringung des Kosmos (vier Enden = vier Himmelsrichtungen) durch die Herrschaft Jesu Christi verstanden. Welche Bedeutung haben in der evangelischen Kirche demgegenüber Schächerdarstellungen, wie sie in der katholischen Kirche als Teil der Kreuzigungsgruppe verbreitet sind? Diese Frage gebe ich Ihnen mit dem Schächerfragment auf der Titelseite des Gemeindebriefes mit auf den Weg in die Osterzeit.

 

Getreu dem Motto der diesjährigen Fastenzeit „Zeig dich!“ hat unsere Pfarrerin den Gemeinden unter dem Dach der Christuskirche Fragen gestellt. In diesem Gemeindebrief bringen wir die Antworten.

 

Hildburg Wegener stellt das Café Deutschland einmal ausführlicher vor.

 

In Äthiopien sind neue Entwicklungen eingetreten, die unsere Gemeindemitglieder aus Oromia sehr beschäftigen. Gisela Egler-Köksal hat ihre Gedanken dazu zusammengestellt.

 

Im März finden, wie bereits angekündigt, der Weltgebetstag und der Veranstaltungen zum Bibelteilen statt. Wir erinnern noch einmal.

 

Nicht vergessen können wir derzeit auch die aktuelle Lage in Äthiopien, die für unsere Gemeindemitglieder aus Oromia eine große Belastung darstellt. Aus gegebenem Anlass wird in unserer Gemeinde der Film „Das grüne Gold“ gezeigt werden.

 

Ich wünsche Ihnen ein frohes Erwachen in den kommenden drei Monaten.

                                                                                      

Dr. Helga Müller



Eine kleine Geschichte vom Kir(s)chcafé – in Klammern in Mundart

Mittlerweile sind sechs Jahre vergangen und ich gehe ins siebte Jahr hinein, das Kir(s)chcafé macht mir immer noch Spaß. Ich backe gerne Kuchen, mache auch mal was Salziges oder backe sogar Brot. Was mir am Kir(s)chcafé gefällt ist, dass ich von den(en) Besucher sehr gut aufgenommen werde, was ich (wo ich das) am Anfang gar nicht geglaubt hatte. Aber seit der Zeit, seit der (wo) Frau Buch nicht mehr da ist, habe ich das so übernommen, wie sie es mir beigebracht hat. Da(d)ran möchte ich auch nichts ändern. Ich stehe immer noch gerne sonntags morgens um 8 Uhr auf, um in die Kirche zu gehen, alles herzurichten, Kaffee zu kochen und die Tische zu decken. Was ich schade finde ist, dass so nach und nach immer weniger Kirchgänger kommen. Mittlerweile habe ich alle wie z.B. Frau Schneider, Frau Pohlmann, Claus Ludwig Dieter, die Pfarrerin oder alle, die ich mittlerweile in den sechs Jahren kennengelernt habe, ins Herz geschlossen. Das ist mir immer eine Freude und ich hoffe, dass ich das noch lange lange machen kann, da sie ja alle wissen, dass ich gesundheitlich angeschlagen bin. Mit Gottes Segen wird es schon gehen. Mit ganz lieben Grüßen

Ralf Schalk




Tödliches Erntedankfest in Bishoftu/Äthiopien

Seit fast einem Jahr sind Teile derjenigen Regionen in Äthiopien, die von Oromos besiedelt sind, in Aufruhr. Es begann als lokale Empörung über eine staatliche Landnahme in der Umgebung von Addis Abeba. Inzwischen hat sich der Aufruhr zu einer Protestbewegung ausgeweitet, die den Sturz der Regierung will. Diese Regierung wird seit 1991 im Kern von ehemaligen Rebellen der Tigray gestellt. Wortführer der Oromo lehnen diese Regierung ab. Bei der Niederschlagung von Massenprotesten in mehreren Städten waren Anfang August bereits über 100 Menschen getötet worden. Jetzt ist es zu einer Eskalation gekommen. Am Erntedanksonntag versammelten sich zehntausende Oromo in Bishoftu, einer Stadt im Südosten von Addis Abeba, um traditionsgemäß das Ireecha zu feiern. Es kam zu Tumulten, weil, wie berichtet wird, Würdenträger der Oromo auf der staatlichen Ehrentribüne saßen. Das wurde als Verrat empfunden. Feiernde riefen Woyane! (Nieder!). Das ist ein alter Slogan aus Äthiopiens Widerstand gegen die italienische Besatzung und später die Revolutionsparole der Tigray-Rebellen, die jetzt gegen die Regierung gewandt wird. Nach Augenzeugenberichten sperrte die anwesende Armee Fluchtwege mit ihren Fahrzeugen ab und begann auf die Menge zu schießen. Es kam zur Panik. Menschen traten aufeinander. Viele fielen in einen Graben. Den beschoss die Armee danach mit Tränengas. Offiziell gab es 52 Tote. Die Oromo-Oppositionspartei OFC (O-romo Federalist Congress) hat hingegen 678 Tote gemeldet. Ärzte des naheliegenden Krankenhauses berichteten, dass allein 500 Leichen bei Ihnen eingeliefert worden seien. Der Redakteur der taz vom 5.10.2015 spricht von einer Besorgnis, dass die Spannungen im Land hiernach nochmals erheblich zunehmen könnten.

Quelle: taz 5.10.2016



Engagement gegen die israelische Besatzung in Palästina: Boykott, Investitions-Entzug, Sanktionen


Bericht über eine Veranstaltung des Palästina–Forums–Nahost im ÖZ.

Der Anfang war ziemlich emotional. Es erklangen Gedichte von Erich Fried aus seinem Zyklus „Höre Israel“. Eine Frage bleibt hängen: „Als wir verfolgt wurden, war ich einer von euch. Wie kann ich das bleiben, wenn ihr Verfolger werdet?“ Ja: Wie?

Dann hielt Martin Breidert, Pfarrer der EKHN und bis 2004 Professor für Sozialethik an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, einen sachlichen, informativen Vortrag über den Aufruf von verschiedenen Organisationen der palästinischen Zivilgesellschaft, durch gewaltfreie wirtschaftliche Maßnahmen Einfluss auf die Politik des Staates Israel zu nehmen. Kernstück der Kampagne „Boykott, Divestment, Sanktionen“ (BDS) ist der Versuch, Waren und Firmen, die in den besetzten Gebieten Palästinas angebaut oder produziert werden, nicht länger zu kaufen oder mitzufinanzieren. Den palästinensischen Bauern, denen dieses Land einmal gehört hat, wird der Zugang zu ihren Feldern und Olivenbäumen und Brunnen und zu Arbeitsplätzen durch eine Mauer verschlossen oder durch viele Checkpoints erschwert. Auch Firmen, die sich an der Produktion und dem Export von Rüstungs- und Infrastrukturgütern in und nach Israel beteiligen, mit denen die Besatzung und widerrechtliche Besiedelung des Westjordanlands ermöglicht wird, sollen Investitionen entzogen werden. Das Problem für VerbraucherInnen ist, dass diese Waren durchgängig als „Aus Israel“ stammend etikettiert werden. Die Waren profitieren damit von den Handelsprivilegien, die die EU Israel eingeräumt hat. Im Jahre 2000 hat die EU Waren aus den besetzten Gebieten ausdrücklich von die-sen vorteilhaften Handelsverträgen ausgenommen, aber Israel setzt diese Bestimmung nicht um ─ ebenso wenig wie die vielen UN-Resolutionen, die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas zu beenden. Wegen der uneindeutigen Kennzeichnung kaufen viele Menschen deshalb gar keine Waren aus Israel, solange die Kennzeichnungspflicht nicht umgesetzt ist. Eine Begründung ist, dass der Staat Israel die militärische Besatzung und die Siedlungen auf palästinensischem Land rechtlich und finanziell fördert und die Forderungen der UN und der EU nicht umsetzt und dass er damit auch als Ganzer verantwortlich ist.

Breidert nannte eine beeindruckende Liste von Kirchen in Europa und den USA und von deutschen und internationalen Firmen, die sich dem BDS-Aufruf angeschlossen haben, darunter auch die United Church of Christ, die mit der EKHN verpartnert ist. Abschließend erläuterte er fünf Punkte, an denen der Artikel zu BDS in unserem letzten Gemeindebrief aus seiner Sicht problematisch oder nicht sachgemäß ist.

Die anschließende Diskussion unter den gut 30 Teilnehmenden war sachlich, engagiert und argumentativ. Dr. Max Schumacher meldete sich relativ früh zu Wort, um das Bild, das durch den Artikel von unserer Gemeinde gezeichnet wurde, zurechtzurücken. Er wies darauf hin, dass die Gemeinde seit vielen Jahren sowohl im christlich-jüdischen Gespräch als auch in der Solidaritätsarbeit für Palästina engagiert sei. Es habe vor wenigen Tagen eine Gemeindeversammlung stattgefunden, in der der Artikel kritisch diskutiert worden sei. Weitere Berichterstattung und Diskussion zum Thema sei geplant. Kontrovers wurde die Forderung von Sanktionen im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich diskutiert. Man war sich einig, dass diese Forderung kontraproduktiv sein könne. Man müsse sehr genau im Einzelfall prüfen, ob eine kulturelle Veranstaltung oder eine wissenschaftliche Tagung eindeutig dem Ziel des Friedens und der Völkerverständigung zuwiderlaufe.

Viele andere, komplexe Themen wurden angesprochen, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Die Frage bleibt: Wie kann ich solidarisch bleiben mit einem Volk, an dem wir als Deutsche schuldig geworden sind? Sind gewaltfreie wirtschaftliche Maßnahmen ein Weg, um Israel, dem Volk und der Religion, denen wir so viel verdanken, nicht zuletzt unsere ethischen Maßstäbe von Gerechtigkeit und Menschenwürde, dabei zu helfen, das Israel zu bleiben, dem wir uns verbunden fühlen?

Hildburg Wegener