Nachdenkliches zu dem Begriff „Öffentliche Gottesdienste“


Nachdenkliches zu dem Begriff „Öffentliche Gottesdienste“

„Kirchen feiern erste öffentliche Gottesdienste seit Corona-Schließung“. So lesen wir in der Zeitung. Dabei wird der Begriff „öffentlich“ unklar benutzt.

In den letzten Monaten fanden viele „öffentliche“ Gottesdienste statt. Die Fernseh- und Radiogottesdienste, die Gottesdienste und Andachten über youtube und andere Medien vermittelt wurden, waren für alle Fernseh- und Radiozugang und/oder mit Internetzugang, erreichbar.  Öffentlich bedeutet offen für alle, die interessiert sind. Auch offen für Menschen, die nicht der Kirche angehören, egal ob sie glauben oder nicht glauben. Man kann stumm dabeisitzen oder den Ablauf betend und singend mitvollziehen. Wenn es wirklich ein öffentlicher Gottesdienst ist, dann ist beides möglich.

Bis zu 40 Personen können - nach den geltenden Abstandsregeln - bei uns gemeinsam Gottesdienst feiern (15 Personen in unserer Kapelle, mindestens weitere 25 in der erweiterten Kapelle). Wir gehen davon aus, so niemanden direkt vor der Tür ausschließen zu müssen – also ein „öffentlicher Gottesdienst“

Es bleibt die Schwierigkeit, dass Präsenz-Gottesdienste auf absehbare Zeit für gefährdete Gruppen eine indirekt ausschließende Wirkung haben. Wir kennen dies aus unserer Gemeinde auch schon vor der Corona-Pandemie, dass Einzelne z. B. in der Grippezeit nicht zum Gottesdienst am Sonntag gekommen sind, aus Angst vor Ansteckung.

Für viele Menschen ist es wichtig, dass der Gottesdienst vor Ort stattfindet, auch wenn sie selbst gar nicht hingehen möchten oder können. Der Gottesdienst erfüllt auch eine repräsentative Funktion, einen stellvertretenden Dienst. Diejenigen, die Gottesdienst in der Kirche vor Ort feiern, halten stellvertretend den Raum offen und praktizieren das hörende Wort Gottes in der Gemeinschaft, stellvertretend für alle, die nicht kommen. Sie halten diese Möglichkeit irgendwann wieder kommen zu können aufrecht, Woche für Woche.

Andere sagten mir, dass sie sich nicht trauen zu kommen. Sie vermissen die Gemeinschaft im Gottesdienst und auch im Kirchcafe. Sie finden, dass die Öffnung zu früh ist. Schließlich müsste ja, wenn bei einer Person, die im Gottesdienst war, Corona festgestellt würde, alle in Quarantäne. Jetzt sollten alle mitwirken, die Ansteckungsmöglichkeit zu minimieren. Außerdem wären andere Formen des Miteinanders und des gegenseitigen Stärkens wie miteinander telefonieren und füreinander beten, jetzt wichtiger – also die Stärkung des Gottesdienstes im Alltag der Welt.

Wie sehen Sie die Lage? Was wird an Glaubensstärkung gebraucht? 

Was ist Ihre Meinung dazu?

Gerne veröffentlichen wir Ihre Rückmeldungen im nächsten Gemeindebrief.                                                               Gisela Egler-Köksal