Ökumenischer Rat der Kirchen: Botschaft der Regionalpräsidenten/innen: Pfingstbotschaft 2020

World Council of Churches

Botschaft der Regionalpräsidenten/innen: Pfingstbotschaft 2020

12. Mai 2020

Wogen der Verzweiflung und Zungen wie von Feuer:
Eine Botschaft der ÖRK-Präsidentinnen und -Präsidenten zu Pfingsten

Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen. (Apg 2,2-4)

Die Pfingstinsel war eine der Inseln des südpazifischen Inselstaats Vanuatu, die im vergangenen Monat besonders schwer getroffen wurden von Zyklon Harold, einem tropischen Wirbelsturm der Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von bis 265 km/h und so genannten „king tides“, also einem sehr starken Hochwasser von 6 m und mehr über Normal. Harold brachte große Zerstörung und Tod – er riss Dächer weg, machte Gebäude dem Erdboden gleich, sorgte für Überschwemmungen in ganzen Ortschaften und kostete viele Menschen das Leben.

Als der heftige Sturm ihre Heimatinsel traf, wachte Moana, Inhaberin eines Strandresorts, auf und hatte Angst um ihr Leben und ihr Eigentum. Zwei Stunden lang beobachtete sie das stürmische Treiben und die tobende See vor ihrer Tür und flehte zu Gott, dass sie und ihre Habe verschont bleiben würden. Glücklicherweise ist Moana noch am Leben und ihre Häuser sind unbeschadet als der Sturm vorüber ist.

Die Herabkunft des Heiligen Geistes wird in der Apostelgeschichte mit ähnlich dramatischen Worten beschrieben. Die frühen Jünger Christi, die sich aus Angst versteckt hielten, erschraken zutiefst, fassten durch die Gegenwart Gottes dann aber wieder Mut und konnten sogar Sprachbarrieren und kulturelle Grenzen überwinden, um die erlösende Botschaft von Jesu Auferstehung zu verkündigen. In der Geburtsstunde der Kirche herrscht Durcheinander und Chaos, aber die Kirche geht daraus mit einer mächtigen, ja lebensverändernden Botschaft hervor, die für alle Kulturen und in allen Kontexten relevant ist.

Wie es am ersten Pfingstfest war, muss es auch heute wieder sein.

Während wir diese Worte schreiben, hat sich eine stille und unsichtbare, allerdings noch todbringendere Naturgewalt unter uns ausgebreitet. Das neuartige Coronavirus hat die Welt auf den Kopf gestellt, es verbreitet Angst und Schrecken und Chaos, und lässt Millionen von Menschen krank werden und führt bei Hunderttausenden zum Tod. Die Pandemie hat verheerende Auswirkungen auf die Volkswirtschaften, bringt das Familienleben überall und das Leben in den Gemeinwesen durcheinander, überfordert auch die fortschrittlichsten lokalen und globalen Systeme für die Gesundheitsversorgung, stellt die Standhaftigkeit und Leistungsfähigkeit von Regierungen auf die Probe und verursacht Hungersnöte.

Und dennoch sind wir Christinnen und Christen auch an diesem Pfingstfest mit allen Christinnen und Christen über die Jahrhunderte hinweg und mit allen Christinnen und Christen weltweit und auch mit jenen frühen Jüngerinnen und Jüngern verbunden, um – wie die Jüngerinnen und Jünger es damals mutig taten – zu verkündigen, dass der Gott des Lebens immer noch mit uns ist. Der Geist Gottes erhebt unsere Herzen im Gebet und in Sehnsucht. Der Heilige Geist gibt uns die Kraft und den Mut, uns dem Schmerz und Leiden zu stellen. Der Heilige Geist entzündet Liebe in unseren Herzen, um all jenen zu dienen, die leiden und die von den gesellschaftlichen Versorgungssystemen ausgeschlossen sind. Der Heilige Geist erhellt unseren Verstand, dass wir uns in die intensive wissenschaftliche Forschung zur Herstellung von Medikamenten und Impfungen einbringen oder diese unterstützen können. Der Heilige Geist befähigt uns, diesen Virus durch großzügige Kooperation, mit unserer besten medizinischen Versorgung und seelsorgerischen Fürsorge und vor allem durch Liebe und Fürsorge für alle Kinder Gottes bekämpfen und besiegen zu können.

Auch der Geist Gottes ist pan-demos. Er berührt alle Menschen und überwindet alle Grenzen – allerdings bringt er Leben und nicht den Tod. An diesem Pfingstfest beten wir, dass der Kampf gegen diese Pandemie die Kräfte des Heiligen Geistes im ganzen Gottesvolk freisetzt und nicht nur die Kirche erneuert, sondern das Antlitz der Erde.

 

Die Regionalpräsidenten/innen des Ökumenischen Rates der Kirchen

• Pastorin Dr. Mary-Anne Plaatjies van Huffel, Reformierte Unionskirche im südlichen Afrika
• Pastorin Dr. Sang Chang, Presbyterianische Kirche in der Republik Korea.
•  Erzbischof Emeritus Dr. Anders Wejryd, Schwedische Kirche
•  Pastorin Gloria Nohemy Ulloa Alvarado, Presbyterianische Kirche von Kolumbien
• Bischof Mark MacDonald, Anglikanische Kirche von Kanada
• Pastorin Dr. Mele'ana Puloka, Freie Wesleyanische Kirche von Tonga
• S. H. Johannes X., Patriarch der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und dem gesamten Morgenland Seine Heiligkeit Karekin II., Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier

https://www.oikoumene.org/de/press-centre/news/resources/documents/wcc-presidents/pentecost-message-from-the-wcc-presidents-2020




Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

https://www.oikoumene.org/de/about-us

Zeit für ein seelsorgerisches, vorausschauendes und praktisches Christentum: Eine gemeinsame Erklärung des Ökumenischen Rats der Kirchen und regionaler ökumenischer Organisationen

26. März 2020

Gelobet sei Gott und der Vater unsers HERRN Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unsrer Trübsal, daß auch wir trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, damit wir getröstet werden von Gott.
(2 Kor. 1: 3-4)

Als Vertreter regionaler ökumenischer Organisationen und des Ökumenischen Rats der Kirchen haben wir teil an den Herausforderungen, denen sich unsere Gemeinden rund um die Welt wegen des Coronavirus COVID-19 stellen müssen.

Wir fordern die Menschen überall auf, die Auseinandersetzung mit dieser Situation an oberste Stelle zu setzen und auf jede nur erdenkliche Weise zu unseren gemeinsamen Bemühungen zum Schutz von Leben beizutragen. Jetzt ist es an der Zeit, die Herzen zu berühren, durch das, was wir sagen, weitergeben und tun - und durch das, was wir nicht tun können - um das Leben zu schützen, das Gott aus Liebe erschuf.

Um dieser Liebe willen ist es wichtig und dringend erforderlich, dass wir die Formen unserer Gottesdienste und die Art unserer Gemeinschaftlichkeit an die Bedürfnisse in dieser Zeit der pandemischen Ansteckung anpassen, um jedes Risiko zu vermeiden, dass wir zum Ausgangspunkt der Virus-Übertragung werden anstatt zu einem Werkzeug der Gnade.

Unser Glaube an den Gott des Lebens verpflichtet uns, Leben zu schützen, indem wir alles tun, was wir können, um eine Übertragung des Virus zu verhindern. Lasst uns Gottes bedingungslose Liebe auf sichere, praktikable Weise verwirklichen, bei der Leben geschützt, Leiden gelindert und sichergestellt wird, dass die Kirchen und öffentlichen Dienste nicht zu Ausgangspunkten der Virenübertragung werden.

Körperliche Distanz bedeutet nicht geistliche Isolation. Die Kirchen auf der ganzen Welt haben jetzt Gelegenheit, ihre Rolle in der Gesellschaft neu zu gestalten, indem sie sich auf sichere Weise um die Armen, die Kranken, die Ausgestoßenen und die Betagten - also all jene, die durch COVID-19 am stärksten gefährdet sind - kümmern, für sie sorgen und sie behüten.

Wir können zuhause beten. Wir können Gott Dank sagen und um Kraft, Heilung und Mut beten. Wir können unsere Liebe zu Gott und für unsere Nächsten zeigen, indem wir nicht in Persona zu öffentlichen Gottesdiensten zusammenkommen. Viele Kirchengemeinden können ihre Gottesdienstversammlungen online oder digital verbreiten. Mitglieder und Pastoren können auch per Telefon miteinander in Kontakt bleiben und seelsorgerisch tätig werden.

Die neuartige Coronavirus-Pandemie hat alle Regionen unseres Planeten erreicht. Es herrschen Angst und Panik, Schmerz und Leid, es gibt Zweifel und Fehlinformationen sowohl über den Virus als auch über unsere Reaktion als Christinnen und Christen. Doch als weltweite Glaubensgemeinschaft bekräftigen wir, dass wir selbst inmitten all unserer Verletzlichkeit auf Gott vertrauen, denn Gott ist unsere Hoffnung.

Bei all den Geschichten über das Leiden und die Tragödien gibt es auch Geschichten über einfache Güte und überschwängliche Liebe, über Solidarität und darüber wie auf innovative und überraschende Weise Hoffnung und Frieden verbreitet werden.

Während dieser Fastenzeit führt uns unser Pilgerweg durch die Einöde der Strapazen, Schwierigkeiten und Versuchungen vom Tod zur Auferstehung in ein neues Leben mit Gott.

Diese Einöde wird durch COVID-19 noch feindseliger und beängstigender, aber wir sind aufgerufen, unsere Herzen in Solidarität miteinander zu vereinen, mit den Trauernden zu trauern, den Furchtsamen Frieden zu bringen und die Hoffnung durch Solidarität im Glauben wieder herzustellen.

Wenn wir in Panik sind und uns auf Hamsterkäufe und das Anlegen von Vorräten konzentrieren, wird diese menschliche Solidarität zersetzt und die Furcht verstärkt. Dabei misslingt es uns in dieser Fastenzeit Instrumente von Gottes Gnade zu sein.

Wir erkennen das Bedürfnis nach verantwortungsbewusster Führung durch den Staat, die Gemeinden und die Oberhäupter der Glaubensgemeinschaften gleichermaßen. Die Regierungen müssen auf allen Ebenen den Zugang zu korrekten und zeitnahen Informationen sicherstellen, und die durch den Verlust von Existenzgrundlage und Beschäftigung verursachten Situationen angehen, vor allem aber für Zugang zu sauberem Wasser und Desinfektionsmitteln und Seife sorgen und den am meisten gefährdeten Personen teilnahmsvolle Fürsorge angedeihen lassen, und sich dabei stets bewusst sein, dass einiges davon in vielen Teilen der Welt noch immer Herausforderungen darstellen wird. Es ist auch an der Zeit für tiefgreifende Überlegungen über das gemeinsame Wohl, eine kompetente Führung und die in unseren Traditionen verwurzelten ethischen Werte.

Inmitten dieser gravierenden Krise erheben wir unsere Stimmen im Gebete für all jene, die für Führung sorgen und für die Regierungen in aller Welt und ermahnen sie, dass ihre dringlichste Sorge jenen gelten muss, die in Armut und an den Rändern leben, sowie den Flüchtlingen in unserer Mitte.

Als Religionsoberhäupter erheben wir unsere gemeinsamen Stimmen, um die Notwendigkeit nach mehr Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Obdachlosen, der Inhaftierten, der älteren Menschen und derjenigen, die bereits unter sozialer Isolation leiden, hervorzuheben. Wir erinnern auch an jene Menschen, vor allem Frauen und Kinder, die Missbrauch und Gewalt ausgesetzt sind, die zuhause nicht sicher sind und die, wenn die Belastung zunimmt, noch mehr Missbrauch und Gewalt erfahren.

Lasst uns schließlich auch für alle jene beten, die mit COVID-19 infiziert sind, für ihre Familien und für das medizinische Personal und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die ihre Leben riskieren, um für deren Behandlung und eine Prävention für uns alle zu sorgen. Und lasst uns auch für die Funktionäre im öffentlichen Gesundheitssektor beten, die, wie wir hoffen, in der Lage sein werden, mit Gottes Hilfe und unserer Kooperation, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und schwerwiegende soziale, wirtschaftliche und ökologische Folgen abzuwenden.

Gottes Liebe is allumfassend und der Gott des Lebens ist mit jedem und jeder von uns, selbst in unserem Leiden.

26. März 2020

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär, Ökumenischer Rat der Kirchen

Dr. Souraya Bechealany, Generalsekretärin, Kirchenrat des Nahen Ostens

Pfarrer James Bhagwan, Generalsekretär, Pazifische Kirchenkonferenz

Dr. Mathews George Chunakara, Generalsekretär, Christliche Konferenz von Asien

Gerard Granado - Generalsekretär, Karibische Kirchenkonferenz

Pfarrer Dr. Fidon Mwombeki, Generalsekretär, Allafrikanischer Kirchenrat

Pastor Peter Noteboom, Generalsekretär, Kanadischer Kirchenrat

Dr. Jørgen Skov Sørensen, Generalsekretär, Konferenz Europäischer Kirchen

Jim Winkler, Generalsekretär, Nationaler Kirchenrat der Kirchen in Christus in den USA


https://www.ekd.de/gemeinsames-wort-der-kirchen-zur-corona-krise-54220.htm

Ein Wort der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche in Deutschland (20. März 2020) 

„Beistand, Trost und Hoffnung“

Eine Pusteblume von einer Hand gehalten

Anlässlich der weltweiten Krise um das Corona-Virus veröffentlichen der  Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, das gemeinsame Wort „Beistand, Trost und Hoffnung“. 

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, 
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 

die gegenwärtigen Tage sind geprägt von der krisenhaften Gesamtsituation, die durch die Verbreitung des Corona-Virus hervorgerufen wird. Das Bemühen, die Verbreitung dieser Krankheit zu verlangsamen, führt zu drastischen Maßnahmen. Jede und jeder von uns ist konkret betroffen.  

Da wir dieses Bemühen selbstverständlich unterstützen und uns an die staatlichen Vorgaben konsequent halten wollen, wurden auch gemeindliche Veranstaltungen abgesagt und kirchliche Einrichtungen weitgehend geschlossen. Sie können sicher nachvollziehen, wie schwer es uns gefallen ist, in diesen beunruhigenden Zeiten alle öffentlichen Gottesdienste auszusetzen. Gerade in schweren Zeiten ist es für uns Christen eigentlich unabdingbar, die Nähe Gottes zu suchen, indem wir uns zu gemeinsamen Gebeten und Gottesdiensten versammeln.  

Und doch ist dieser Verzicht notwendig, um die Pandemie so weit als irgend möglich einzugrenzen, deren schwerwiegende Auswirkungen wir alle persönlich zu spüren bekommen. Uns alle treffen die Einschränkungen. Manche sind selbst oder in ihrem Umfeld von Erkrankung, schweren Krankheitsverläufen oder gar Tod betroffen. Viele sind aufgrund des gesellschaftlichen Stillstands in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht und mit großen Zukunftssorgen konfrontiert. Auch wenn die Gottesdienste derzeit nicht stattfinden können, können Sie sich – das möchten wir Ihnen zusagen – unserer solidarischen Unterstützung, unseres persönlichen Beistands und unseres Gebetes gewiss sein. 

Wie alle unverschuldete Not, die über die menschliche Gemeinschaft kommt, so kennt auch diese Krise keine Gerechtigkeit. Sie trifft die einen nur ganz am Rande, die anderen, oft genug die Schwachen, aber mit aller Härte. Deshalb, aber auch wegen der notwendigen Isolation der Menschen, sind das Füreinander-Dasein und die Solidarität in dieser Zeit so unabdingbar, um das humane Angesicht unserer Gesellschaft nicht zu entstellen oder gar zu zerstören. Unser großer Dank gilt allen im Gesundheitswesen, Ärztinnen und Ärzten, Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern und Freiwilligen, die oft bis zur Erschöpfung dafür sorgen, dass die Erkrankten die bestmögliche Versorgung erhalten. 

Gerade weil in diesen Tagen viele Grenzen und Barrieren zwischen Menschen errichtet werden müssen, dürfen die Grenzen nicht in den Herzen hochgezogen werden. In einer solch existenziellen Krise, in der auch die gesellschaftlichen Institutionen spürbar an ihre Grenzen stoßen, kommt es auf jede und jeden Einzelnen an. Aber nicht, weil sich jeder dann selbst der Nächste ist und jeder für sich allein kämpft, sondern weil jedes offene Ohr, jedes freundliche Wort und jede helfende Hand besonders zählen und viel bedeuten. Es tut in der Seele gut zu sehen, wie viel gelebte Humanität es angesichts dieser Krise in unserer Gesellschaft gibt! An vielen Orten haben sich spontan Freiwillige bereit erklärt, Einkäufe für ältere oder kranke Nachbarn zu erledigen oder Kinder zu betreuen, deren Eltern weiterhin ihrem Beruf nachgehen müssen. Auch in unseren Gemeinden gibt es viele, die mit Telefongesprächen, E-Mails  und anderen Medien den sozialen Kontakt aufrechterhalten und die Gemeinschaft stärken. Dazu gehören auch die vielen Gebetsgruppen, die sich über das Internet verabreden. 

Die gegenwärtige Pandemie hat weltweite Ausmaße. Sie betrifft nicht nur uns, sondern auch die Menschen in den Kriegsregionen des Nahen Ostens, insbesondere Syriens, und in den Flüchtlingslagern. Da hier Schutzmaßnahmen weitgehend fehlen, ist ihr Risiko zu erkranken sogar noch größer. Deshalb dürfen wir auch sie nicht aus dem Blick verlieren. 

Als Christen sind wir der festen Überzeugung: Krankheit ist keine Strafe Gottes – weder für Einzelne, noch für ganze Gesellschaften, Nationen, Kontinente oder gar die ganze Menschheit. Krankheiten gehören zu unserer menschlichen Natur als verwundbare und zerbrechliche Wesen. Dennoch können Krankheiten und Krisen sehr wohl den Glauben an die Weisheit und Güte Gottes und auch an ihn selbst erschüttern. Krankheiten und Krisen stellen uns Menschen vor Fragen, über die wir nicht leicht hinweggehen können. Auch wir Christen sind mit diesen Fragen nach dem Sinn menschlichen Leids konfrontiert und haben keine einfachen Antworten darauf. Die biblische Botschaft und der christliche Erlösungsglaube sagen uns Menschen jedenfalls zu:  Gott ist ein Freund des Lebens. Er liebt uns Menschen und leidet mit uns. Gott will das Unheil nicht. Nicht das Unheil hat darum das letzte Wort, sondern das Heil, das uns von Gott verheißen ist. 

Wir Menschen sind verwundbar und verletzlich. Das wird uns in diesen Tagen schmerzhaft bewusst. Deshalb ist es zutiefst menschlich, Verunsicherung und Angst zu spüren, wenn das gesellschaftliche Leben zum Stillstand kommt, der Kontakt zu Freunden drastisch eingeschränkt wird, alle Planungen von heute auf morgen durchkreuzt werden und wir nicht wissen, was in den nächsten Wochen sich ereignen wird. Der auferstandene Christus, den wir in einigen Tagen wieder feiern werden, ruft nach dem Zeugnis des Evangeliums den Menschen in solcher Bedrängnis zu: „Fürchtet euch nicht!“ (Mt 28,5) Dieser Trost ermutigt uns, angesichts der Not und der Angst nicht in Verzagtheit zu verharren, sondern Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen. Und Gott ist uns Menschen auch dann nahe, wenn wir nicht selbstsicher und souverän sind, sondern unsicher tastend, suchend und fragend. Wer sich von dieser Hoffnung leiten lässt, vermag anderen Beistand, Trost und Hoffnung zu spenden. 

Wir Christen bereiten uns in der augenblicklichen Fasten- und Bußzeit auf das Osterfest vor. Dabei weist ein Wort aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja uns in aller Deutlichkeit darauf hin, dass es nicht das rechte Fasten ist, „wenn man den Kopf hängen lässt wie ein Schilf“. Dagegen ermutigt uns der Prophet, die „Fesseln des Unrechts zu lösen“ und uns den Notleidenden zuzuwenden, und zeichnet eine Verheißung Gottes an den Horizont: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen.“ (vgl. Jes 58,5–8)  

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 

all jenen, die unter den äußeren Umständen schwer zu leiden haben, wünschen wir in den kommenden Tagen und Wochen alle Kraft und die nötige Hilfe. Denen, die erkranken und an Krankheiten leiden, wünschen wir Linderung und, wenn möglich, baldige Genesung. Diejenigen aber, die sterben, empfehlen wir der Güte und Barmherzigkeit Gottes. Er möge sie aufnehmen in sein Leben. 

In diesen Zeiten der Verunsicherung begleiten Sie alle unsere Gebete und Segenswünsche! 

Bleiben Sie behütet an Leib und Seele. Gott segne Sie! 

Bonn und Hannover, den 20. März 2020 

Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz 

Landesbischof Dr. Heinrich-Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 

Metropolit Augoustinos, Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland 

Botschaft der Regionalpräsidenten/innen: Pfingstbotschaft 2019

23. Mai 2019

Als regionale Präsidenten/innen des Ökumenischen Rates der Kirchen senden wir Ihnen und der gesamten Gemeinschaft der Kirchen auf der ganzen Welt zum Geburtstag der Kirche an Pfingsten besondere Grüße.

In diesem Jahr finden wir eine besondere Bedeutung für die heutige Welt in der Geschichte von Jesu frühesten Nachfolgern, Männern und Frauen, an diesem bedeutsamen Tag.

Vom Geist Gottes besucht, legte ein neu ermutigter Petrus vor den Menschen, die sich in Jerusalem am Pfingsttag versammelt hatten, Zeugnis ab von Jesu Leben, Tod und Auferstehung. Die Ausgießung des Heiligen Geistes veranlasste die Nachfolger Jesu zur Prophetie.

In jenen Tagen will ich von meinem Geiste ausgießen;
und sie sollen weissagen.
(Apostelgeschichte 2,18)

Zu prophezeien bedeutet, die Wahrheit zu verkünden. Kein Rang oder Stand, keine Rasse, kein Club, kein Geschlecht und nicht einmal eine Religion haben ein Monopol auf die Wahrheit. Auch einfache Fischer könnten über sich hinauswachsen und die Wahrheit verkünden

Keine Unwahrheit oder Lüge kann vor dem standhaften Zeugnis der allumfassenden, heilenden und verwandelnden Liebe Gottes, die uns in Jesus offenbart wurde, bestehen. Letztlich müssen sich auch alle Mächtigen der Wahrheit fügen:

Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren (Apostelgeschichte 4,13)

In unserer Zeit brauchen wir ein solch prophetisches Zeugnis von der Wahrheit – in unserer Gesellschaft und Politik, in uns selbst und in unseren Kirchen.

Bekehrung – unsere Liebe zu Gott – offenbart Werte, die unser Verständnis erleuchten, unser Mitgefühl erweitern und sogar unsere Wahrnehmungen schärfen.  „Der Blick der Liebe" färbt die ganze Welt neu in den leuchtenden Farben der ultimativen Wahrheit und veranlasst uns, sie zu umarmen und uns ihr zu verpflichten.

Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott,
da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch,
und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen,
und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen,,
und eure Alten sollen Träume haben.

Es gibt keine Garantien für Objektivität in Wissenschaft, Politik oder Journalismus. Wir müssen unter konkurrierenden Wahrscheinlichkeiten und Unsicherheiten, ja sogar in der Selbsttäuschung stets nach der Wahrheit forschen. Aber die größte Wahrheit unseres Lebens – das Geschenk des Lebens, die Würde aller Menschen, die Vollkommenheit der Schöpfung, die Notwendigkeit von Gerechtigkeit und Frieden – können nicht nur durch die Rechtschaffenheit der Suche überprüft werden, sondern auch durch die Authentizität ihrer Anhänger/innen, und letztlich anhand des Kriteriums der Liebe.

Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens;
du wirst mich erfüllen mit Wonne vor deinem Angesicht.

Die Rede des Petrus an das Volk und sein Appell an die Mächtigen enthalten diesen einfachen Wahrheitstest:


Erhebt und heilt sie uns? Ist sie allumfassend? Ist es Liebe? Entspricht es dem, was Jesus uns über Gottes erlösende Liebe für uns alle gesagt hat?

Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden

Zu Pfingsten feiern wir die Geburt der Kirche in einer Welt vieler Sprachen und Kulturen. Gottes Wahrheit, die durch das Handeln des Heiligen Geistes entflammt wurde, schafft eine liebende Gemeinschaft der Wahrheit, um eigennützigen Täuschungen der Mächtigen etwas entgegenzusetzen.  Die Gemeinschaft oder koinonia, die von der Gemeinschaft der Menschen christlichen Glaubens geteilt wird, umfasst alle Völker, alle Sprachen, die ganze oikoumene, in Liebe.

Keine „Nachricht", die Vorurteilen Vorschub leistet, kann wahr sein. Keine „Politik", die Hass schürt, kann wahr sein. Keine „Wissenschaft", die die Würde des Menschen herabsetzt, kann wahr sein. Keine religiöse Behauptung, die zu Extremismus oder Terror aufruft, kann wahr sein.

Gottes Vision von Gerechtigkeit und Frieden ist die gewaltlose Alternative zur gegenwärtigen Weltordnung.  Ihre Allgemeingültigkeit feiert und überwindet gleichzeitig die Unterschiede zwischen den Menschen, sie weist eigennützige Lügen zurück, straft Demagogen ab und wendet sich gegen Unterdrückung. Sie heilt Traumata und reicht den Fremden und Ausgestoßenen die Hand. Es ist die prophetische Kühnheit, die hier sichtbar wird, „denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Römer 5,5).

In unserem Leben und unserer Arbeit als Kirchen und als Kirchen, die in der ökumenischen Gemeinschaft vereint sind, geloben wir, immer wieder prophetisch Zeugnis für die Würde des Menschen, für die Religionsfreiheit, für die Bewahrung der Schöpfung und für Gottes Vision von Gerechtigkeit und Frieden abzulegen.

Als Gemeinschaft der Kirchen in dieser Welt, erfüllt vom Geist Gottes, lasst uns immer und gemeinsam nach der Wahrheit suchen, die Wahrheit aussprechen, die Wahrheit verkünden und die Wahrheit leben!

Friede sei mit euch!

Die Regionalpräsidenten/innen des Ökumenischen Rates der Kirchen

• Pastorin Dr. Mary-Anne Plaatjies van Huffel, Reformierte Unionskirche im südlichen Afrika
• Pastorin Dr. Sang Chang, Presbyterianische Kirche in der Republik Korea.
•  Erzbischof Emeritus Dr. Anders Wejryd, Schwedische Kirche
•  Pastorin Gloria Nohemy Ulloa Alvarado, Presbyterianische Kirche von Kolumbien
• Bischof Mark MacDonald, Anglikanische Kirche von Kanada
• Pastorin Dr. Mele'ana Puloka, Freie Wesleyanische Kirche von Tonga
• S. H. Johannes X., Patriarch der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und dem gesamten Morgenland Seine Heiligkeit Karekin II., Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier

Quelle: Ökumenischer Rat der Kirchen (https://www.oikoumene.org/de/resources/documents/wcc-presidents/pentecost-message-from-the-wcc-presidents?set_language=de)