Inklusion

Predigt zu 1. Korinther 12, 12-27

Die Nähe von Gott, sein Friede und die Liebe von seinem Sohn Jesus sollen mit euch sein. Amen

 

Liebe Gemeinde,

ich möchte Ihnen von einem kleinen Jungen erzählen.

Sein Name ist Rico. Er ist eine Figur aus einem Buch.

Das Buch heißt: Rico Oskar und die Tieferschatten.

Rico ist tiefbegabt. Das sagt er von sich selbst.

Und das bedeutet:

Rico kann viel denken. Aber das dauert lange.

Viel länger als bei anderen Menschen.

Sein Gehirn ist normal groß.

Aber manchmal fallen ein paar Sachen raus.

Leider weiß Rico vorher nie, an welcher Stelle die Sachen rausfallen.

Er kann sich schlecht konzentrieren. Das bedeutet: Er kann schlecht aufpassen und seine Gedanken zusammenhalten.

Deshalb verliert Rico den roten Faden, wenn er etwas erzählt.

Das bedeutet: Er vergisst, was er sagen will.

Der Faden kann auch grün sein oder blau… das genau ist sein Problem. In seinem Kopf geht immer alles durcheinander.

Das ist so wie bei dem Spiel Bingo.

Da sind Kugeln in einer Trommel, die werden durcheinander gedreht. Dann wird gestoppt und eine Kugel gezogen.

Man weiß nie, welche.

So ist das auch bei Rico. Er weiß auch nie, welcher Gedanke aus seinem Kopf kommt.

 

Rico und seine Mutter leben zusammen…ohne Vater.

Und Rico geht in eine besondere Schule. In eine Förderschule.

Da versucht ein Lehrer, in dem Kopf von Rico Ordnung zu machen.

Der Nachbar von Rico nennt ihn Schwachkopf.

Rico selbst sagt: Ich bin tiefbegabt.

Keiner nimmt Rico ernst.


Dann trifft Rico einen anderen Jungen.

Sein Name ist Oskar.

Oskar kann super denken. Er ist sehr schlau.

Oskar trägt einen Helm. So wie ein Motorradfahrer.

Deshalb wird er geärgert.

Rico weiß, wie das ist.

Wenn alle über dich lachen.

Rico versteht Oskar.

Er versteht, warum Oskar einen Helm aufhat.

Kinder haben Unfälle. Ein Helm kann schützen. Ist doch klar!

 

Vorhin haben uns die Kinder einen langen Text vorgelesen.

Der Bibelmensch Paulus hat ihn aufgeschrieben.

Er hat das in einem Brief gemacht.

Den Brief hat er an eine Christengemeinde in Korinth geschickt.

Paulus hat seinen Brief in einer schweren Sprache geschrieben.

Ich lese mal so einen Satz von Paulus in schwerer Sprache vor:

„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“

Und dann schreibt Paulus was von einem Körper und den verschiedenen Teilen von dem Körper. Er schreibt was von Auge und Fuß und dass keiner allein was sein kann. Mit dem Bild will er den Menschen in Korinth was erklären. Immer, wenn ich die Worte von Paulus lese oder höre denke ich: wer soll das verstehen?

Gut, dass die Kinder die schweren Worte in leichter Sprache vorgelesen haben. Dann kann man schwere Worte besser verstehen.

Deshalb mache ich die Predigt auch in leichter Sprache.

Das ist gut für Menschen, die langsam denken.

Gut für Menschen, die schlecht Deutsch sprechen oder die schlecht hören können.

Was Paulus sagen will ist das:

Schaut euch mal an. Hände, Füße, Ohren, Augen – alles gehört zusammen zu einem Körper. Das geht nur zusammen.

Nur Ohr allein ist schwierig. Der ganze Körper nur Fuß geht auch nicht.

Gott hat alles richtig gedacht. Er hat verschiedene Teile zusammengebracht. Alle haben eine Aufgabe und nur zusammen sind sie der ganze Körper.

 

Paulus hat einen wichtigen Grund, warum der das mit dem Körper schreibt. Die Gemeinde in Korinth hat Ärger. Die Menschen haben Streit.

Die einen denken, dass sie mehr wert sind als die anderen.

Aber, sagt Paulus, ihr seid eine Gemeinde. Das ist wie ein Körper mit verschiedenen Körperteilen.

Alle gehören zusammen. Jeder hat seine Aufgabe.

Der eine kann gut hören und zuhören. Das ist wie das Ohr von dem Körper. Ein anderer kann gut helfen. Das ist wie die Hand.

Vielleicht gibt es eine, die gute Ideen hat. Die den Weg für die Gemeinde kennt. Das können dann die Füße sein. Dann gibt es noch alles, was in dem Körper ist. Also die Verwaltung, der Kirchenvorstand und so. Die kümmern sich, damit der Laden läuft.

 

Paulus fragt:

Wenn der ganze Körper nur aus einem Teil ist, wie wird er dann ein Körper? Und seine Antwort: Nur die vielen Teile zusammen machen den Körper. Alle sind wichtig. Keiner kann allein was schaffen.

 

Für Rico und Oskar ist das klar.

Rico geht ohne Oskar verloren. Weil Rico sich immer verläuft.

Und Oskar braucht Rico für das ganz normale Leben.

Weil er sonst so viel nachdenkt, dass er gar nichts mehr macht.

Aber dafür sind sie ja Freunde.

Oder wie Paulus sagt: „Obwohl wir wie Teile von einem Körper sind, gehören wir alle zusammen. Wir sind getauft. Wir sind mit der Kraft von dem Geist von Gott zusammen. Wir alle haben den Geist von Gott in uns.

 

Rico, der tiefbegabt ist und Oskar mit dem Motorradhelm gibt es nur im Buch. Uns alle hier gibt es in echt. Menschen, die stark oder schwach sind. Menschen aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sprachen. Junge und alte Menschen, mit oder ohne Behinderung. Menschen mit verschiedenen Religionen und unterschiedlicher Hautfarbe.

Vielleicht sitzen Sie jetzt hier und denken:

Wo habe ich meinen Platz? Was bin ich, was ist meine Aufgabe in dem ganzen Körper?

Bin ich ein Ohr oder eine Hand?

Bin ich überhaupt ein Teil von dem Körper?

 

Heute ist der Aktionstag für die Inklusion.

Und das bedeutet:

Jeder Mensch gehört dazu. Oder wie Paulus sagt: Jeder ist ein Teil von dem Körper und alle gehören zusammen.

 

Der Tag hat ein Motto:

MissionInklusion – die Zukunft beginnt mit dir.

Ich glaube, das Motto gefällt Paulus.

Mission bedeutet:

Von Gott einen Auftrag haben. Im Namen von Gott zu den Menschen gehen und von Gott erzählen. Damit alle Menschen von der Liebe von Gott erfahren und verstehen, wie Gott sich das Leben vorstellt.

 

Der Aktionstag Inklusion hat auch eine Mission.

Ich glaube, das ist ganz im Sinn von Gott und seiner Idee für die Menschen. Körper bedeutet eben: alle und alles zusammen. Menschen mit und ohne Behinderung, alle Menschen haben die gleichen Rechte und Möglichkeiten. Jeder kommt mit seinen Gaben und Aufgaben, jeder ist wichtig. Das bedeutet Inklusion.

 

Und das meint Paulus wenn er sagt:

Wir sind getauft worden. Wir alle haben den Geist von Gott in uns.

Weil Gott in der Taufe JA zu unserem Leben sagt.

Und das JA von Gott für mein Leben ist unabhängig davon was ich bin oder wie ich bin. Das JA von Gott zu mir ist unabhängig von Sprache, Nation, Bildung oder Behinderung.

Das JA von Gott ist das Gut-sagen für das ganze Leben und für die ganze Schöpfung. Und Gott seine Schöpfung ist sehr verschieden.

Sie besteht aus Menschen, die alle verschieden sind.

Verschieden begabt, verschieden belastbar, verschieden im Leben und im Glauben.

 

Es ist normal, dass wir verschieden sind – das ist Inklusion.

Alle Menschen haben ihre Gaben und ihre Grenzen.

Und manchmal ist es unklar, um was es sich handelt.

Gott hat die Teile von dem Körper, die klein oder schwach aussehen, wichtig gemacht….schreibt Paulus an die Gemeinde.

 

Zurück zu Rico. Der tiefbegabt ist. Der sehr einfühlsam ist.

Im Buch ist es Rico, der seinen Freund Oskar rettet.

Und der? Er hat immer Angst, dass ihm etwas passiert. Er trägt einen Helm und das ist komisch. Aber er ist super schlau.

Sind die beiden nun behindert oder begabt?

Beides. Oder auch keins von beiden. Ist doch nur so was wie ein Aufkleber. Wichtig ist doch: Was das für ein Mensch für mich ist.

Was sehe ich?

Sehe ich, was an schlau sein fehlt, sehe ich den Spinner mit dem Helm oder sehe ich das Ebenbild von Gott in dem Menschen, in meinem Gegenüber?

 

Das Buch ist kein religiöses Buch.

Ich habe die Geschichte heute trotzdem erzählt.

Weil sie -wie ich finde – etwas klar macht:

Die Geschichte erzählt von dem Geist von Gott, den wir alle in uns haben und auf den es ankommt. Amen


1.   1. Korinther 12 (in leichter Sprache)

Der Körper von dem Menschen ist wie ein Bild für die Christengemeinde

12. Es ist so:

Der Körper von dem Menschen ist ein Ganzes

Er ist eine Einheit

Trotzdem hat er viele einzelne Körperteile.

So ist das auch mit Christus und den Menschen, die zu Christus gehören.

Obwohl sie viele sind

Wie Teile von einem Körper

Gehören sie doch alle zusammen.

Sie gehören zu einem Körper

 

13. Wir sind getauft worden

Wir sind mit der Kraft von dem Geist von Gott zusammen.

Wir sind mit der Taufe Teil von einem Körper geworden.

Egal ob wir Juden oder Griechen waren.

Egal ob wir Sklaven waren oder Menschen, die frei leben.

Wir alle haben den Geist von Gott in uns.

 

14. Der Menschenkörper hat auch viele Teile.

 

15. Zum Beispiel:

Wenn der Fuß sagt: „Ich bin keine Hand.

Ich bin kein Teil von dem Körper.“

Dann ist es trotzdem so:

Der Fuß gehört doch zu dem Körper

 

16. Oder wenn das Ohr sagt: „Ich bin kein Auge.

Ich bin kein Teil von dem Körper.“

Dann ist es trotzdem so:

Das Ohr gehört doch zu dem Körper.

 

17. Stellt euch das so vor:

Wenn der ganze Körper nur Auge ist, wie kann der Körper dann hören?

Wenn der ganze Körper nur Ohr ist, wie kann der Körper dann riechen?

 

18. Gott hat jedem Teil von dem Körper einen Platz gegeben.

Gott hat das gemacht, wie er sich das vorgestellt hat.

 

19. Ich frage:

Wenn der ganze Körper nur aus einem Teil ist

Wie wird er dann ein Körper?

 

20. Die Antwort ist so:

Nur die vielen Teile zusammen machen den Körper.

 

21. Kein Teil von dem Körper darf zu dem anderen sagen:

„Keiner braucht dich. Du bist unwichtig“.

 

22. Gott hat dafür gesorgt,

dass alle Teile von dem Körper gleich wichtig sind.

Zum Beispiel sieht für uns ein Teil von dem Körper stark und groß aus.

Ein anderes Teil von dem Körper sieht für uns schwach und klein aus.

Für Gott ist das anders.

Gott hat die Teile von dem Körper, die klein oder schwach aussehen, wichtig gemacht.

25. In dem Körper, der wie die Gemeinde ist, gibt es keine Unterschiede.

Alle Teile sind gleich wichtig.

Jeder Teil sorg für den anderen Teil, alle sind zusammen.

 

26. Wenn ein Teil krank ist

Wenn ein Teil Angst hat oder Schmerzen,

dann fühlen das alle Teile von dem Körper.

Also alle Teile in der Gemeinde.

Und wenn sich ein Teil freut

Wenn es einem Teil gut geht

Dann freuen sich alle Teile von dem Körper.

Also alle Teile in der Gemeinde.

 

27. Ihr alle seid wie ein Körper.

Ihr alle zusammen seid Teile von dem einen Körper von Christus.

Jeder von euch ist ein Teil von Christus.

Pfarrerin Christiane Esser-Kapp




Inklusion – interreligiös gesehen
5.Mai 2019

Erstmals wurde anlässlich des Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zu einer Diskussions- und Infoveranstaltung eingeladen, in der es um das Thema in Judentum, Christentum und Islam ging. Klar wurde schnell: Die Ressourcen für Inklusion sind in den Religionen sehr unterschiedlich.

An den Ständen, in den Podiumsrunden – überall fiel am an diesem Nachmittag im Ökumenischen Zentrum Christuskirche das Wort „Premiere“. Erstmals werde in Frankfurt zwischen Muslimen, Juden und Christen „Inklusion und Interreligiöses“ miteinander verknüpft, hieß es allseits. Nicht zufällig war, dass just an diesem Tag zu Diskussionen, Informationen und Musik eingeladen wurde: Am 5. Mai findet seit 24 Jahren der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. Unterstützt wird er von der Aktion Mensch, die auch das Programm im Frankfurter Westend förderte.

Veranstalter des Tages der offenen Tür „#Auftrag Inklusion - Interreligiös“ am Beethovenplatz waren die Jüdische Volkshochschule, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. und die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach. Das Atelier Eastend, ein inklusives Kooperationsprojekt des Internationalen Bundes, in dem Judaica produziert werden, war im Foyer mit einem Stand vertreten, Informationen zur Kontaktstelle für Körperbehinderte und Langzeitkranke und anderen Angeboten der Diakonie Frankfurt und Offenbach waren erhältlich – und kulinarische Köstlichkeiten der christlichen Oromogemeinde, die auch im Ökumenischen Zentrum ansässig ist und mit großem Engagement diesen Tag unterstützte.

Inklusion in der Praxis - darüber diskutierten: Dinah Kohan, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden, Moderatorin Bärbel Schäfer, Said Barkan, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime Hessen und Sigrid Unglaub, Diakonie  I  Foto Bettina Behler Inklusion in der Praxis - darüber diskutierten: Dinah Kohan, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden, Moderatorin Bärbel Schäfer, Said Barkan, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime Hessen und Sigrid Unglaub, Diakonie I Foto Bettina Behler

Theologische Parallelen – institutionell große Unterschiede

„Diese Veranstaltung ist ein erster Beginn“, so Dinah Kohan von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland in der Diskussionsrunde zur Inklusionspraxispraxis. Wo sie in zehn Jahren stehen wolle, fragte hr-Moderatorin Bärbel Schäfer, die das Gespräch leitete: In zehn Jahren hofft sie, im Dialog mit den anderen Religionen zu diesem Thema, aber auch in ihrer Gemeinde weiter zu sein. Bisher gebe es nur erste Kooperationen, sie strebt an, dass die Jüdische Gemeinde in einer Dekade beispielsweise eine Wohngruppe oder auch Arbeitsplätze für Behinderte geschaffen hat. Said Barkan, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Hessen, äußerte, „es gibt bei uns keinen Wohlfahrtsverband“, aber wenn er zehn Jahre weiterdenke, „soll auch bei uns die Träumerei gewagt werden“, dass ein solcher existiere.

„Die theologische Sicht ist in den drei Religionen durchaus ähnlich, die Strukturen und Traditionen sind aber ganz andere“, diesen Standpunkt vertritt Susanna Faust Kallenberg, Pfarrerin für Interreligiösen Dialog beim Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach, die die Diskussion über die jeweiligen Heiligen Schriften und ihre Sichtweisen zu dem Thema moderierte und die zu dem Vorbereitungsteam des Tages gehörte. Hinsichtlich des theologischen Ansatzes bestätigten Rabbiner Jehoschua Ahrens von der Jüdischen Gemeinde in Darmstadt und Ertugrul Sahin vom Zentrum für Islamische Studien der Universität Frankfurt ihre These.

Die Menschen seien – alle - ein Ebenbild Gottes und sie seien zur Nächstenliebe ermahnt, so Ahrens. Er zitierte aus dem dritten Buch Mose „Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten". Bei der Räumung der Ghettos durch die Nazi-Schergen seien Rabbis vor die Frage gestellt worden, ob Behinderte zuerst ausgeliefert werden sollten, berichtete Ahrens. Ein eindeutiges „nein“ sei die Antwort gewesen – im Sinne von „alle Menschen sind gleich vor Gott“.

Auch im Koran sei von Empathie und Gleichbehandlung die Rede, von Liebe, Respekt und Achtung der Schöpfung. Behinderung werde als ein Sachverhalt und nicht als Strafe gesehen, konstatierte Sahin. Auf den im Neuen Testament stehenden Korintherbrief, in dem es um die verschiedenen Talente geht, die die Menschen in die Gemeinschaft einbringen - „viele Glieder, ein Körper" - , griff Gisela Egler-Köksal zurück. Die Pfarrerin der Christus Immanuel Gemeinde, in deren Kirche das Ökumenische Zentrum seinen Sitz hat, meinte, wer davon ausgehe „hier der schwache Nehmende, dort der starke Gebende", ziele an der Wirklichkeit vorbei, beide bereicherten einander auf ihre Weise.

Die musikalische Pause „Church meets Synagogue and Mosque“ mit Irith Gabriely an Klarinette und Saxophon, Thomas Wächter an der Orgel und Abuseyf Kinik, Saz, Gesang und Percussion, war als Trialog gedacht und zeugte von gelungenem Zusammenklang in Verschiedenheit. Ganz so aus einem Guss sieht es bei der Inklusion und den Angeboten für Behinderte nicht aus.

Inklusion fängt schon beim Baulichen an

Auch wenn die Geschichte der Diakonie als Institution noch nicht alt ist, können die christlichen Kirchen in Deutschland auf lange Traditionen zurückgreifen. Orden kümmerten sich um Behinderte, Gemeinden bauten Hilfenetze auf, im unmittelbaren Wohnumfeld entwickelten sich Strukturen der Unterstützung. Gewandelt habe sich bei den institutionellen Hilfen, dass früher auf Separation und heute auf Integration gesetzt werde, sagte Sigrid Unglaub, Arbeitsbereichsleitung Inklusion und Beratung des Diakonischen Werks für Frankfurt und Offenbach. Dafür stehe zum Beispiel das Angebot „Vielfalt stärken – Vielfalt leben“ bei dem es darum gehe, schon Krabbelstuben zur Inklusion zu ermutigen. Sie wünscht sich, dass aus der Floskel „wie geht es dir?“ im Sinne der Inklusion eine ernst gemeinte Frage wird.

Mit der NS-Zeit seien alle Traditionen abgebrochen, nach dem Zweiten Weltkrieg seien die Jüdischen Gemeinden mit den Folgen des Holocaust befasst gewesen, sagte Kohan. Später sei es darum gegangen, die Zugewanderten aus Russland zu integrieren und Inklusion sei eigentlich erst „in den letzten Jahren“ mit Blick auf Behinderte als Aufgabe wahrgenommen worden, berichtete Dinah Kohan, die in der Zentralwohlfahrtsstelle, die ihren Sitz in Frankfurt hat, das Thema „Menschen mit Behinderung“ bearbeitet. Ihre These, dass für Jüdische Gemeinden oft auch Bauliches bei der Inklusion ein Thema sei, bestätigte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Hessen. In einer Stadt wie Frankfurt fänden Gehbehinderte dank der Auswahl eine Moschee, die für sie zugänglich sei, andernorts verhinderten Stufen den Gottesdienstbesuch, sagte Barkan.

Zu den Impulsen, die er aus dem Nachmittag mitnimmt, gehört: Wenn wieder der Protesttag ansteht, soll das Thema „Behinderung" beim Freitagsgebet aufgegriffen werden.

von Bettina Behler
Medieninformation,
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach